Berlin - Vor wenigen Tagen hat Apple ein neues Update für sein Betriebssystem iOS 14 ausgerollt. Nutzer können nun mit der Gesichtserkennung Face ID ihr Smartphone auch mit Gesichtsmaske entsperren. Zu den Neuerungen gehört auch ein Satz neuer Emojis, unter anderem eine Frau mit Bart, ein mit einem Verband umwickeltes Herz sowie ein neues Spritzen-Symbol. Das bisherige Piktogramm zeigte eine Spritze mit zwei Bluttropfen. Offenbar war diese Darstellung Apple zu blutrünstig, daher hat der Konzern das Blut entfernt und durch eine bläuliche Flüssigkeit ersetzt.

Der Hintergrund: Das für die Standardisierung von Emojis zuständige Unicode-Konsortium – ein Verein nach kalifornischem Recht, dem neben Apple unter anderem auch Facebook, Netflix und Google angehören – gibt nur die äußere Form vor. Über die inhaltliche Ausgestaltung können die Plattformbetreiber selbst entscheiden. Sie können ein Schiff als Kreuzfahrtschiff oder Fischkutter designen. Deshalb sehen Emojis – je nach Anbieter – bei Apple, Facebook oder Twitter auch immer etwas anders aus. Theoretisch könnten die Plattformen das Weinglas auch mit Weißwein statt mit Rotwein füllen – eine Forderung, die etwa Winzerverbände erheben.

Immer mal wieder unterziehen die Plattformen Emojis einer Revision. So hat Apple 2016 das Pistolen-Emoji in seiner iOS-10-Version durch eine Wasserpistole ersetzt und seine Nutzer so entwaffnet. Statt eines stilechten Colts erscheint auf der Tastatur eine grüne Wasserpistole. Emojis gelten als neue Weltsprache, und das Sprechen über die Corona-Krise schlägt sich auch in dem visuellen Zeichensystem nieder. Während das Flugzeug-Symbol in Zeiten der Reisebeschränkungen kaum noch genutzt wird, wurde das Spritzen-Emoji auf Twitter noch nie so häufig verwendet wie im vergangenen Dezember.

Das Spritzen-Emoji kann auf eine durchaus blutige Geschichte zurückblicken, wie das Portal Emojipedia.org berichtet. So wurde es in Japan 1999, wo Emojis ihren Ursprung haben, im Zusammenhang mit Blutspenden verwendet. Als 2008 das Emoji erstmals offiziell beantragt wurde, war das Dokument mit dem Hinweis „with blood“ (mit Blut) versehen. Bis heute haben die meisten Plattformen wie Google, Microsoft oder WhatsApp ihr Spritzen-Emoji mit Blut gefüllt.

In der Corona-Krise wird das Spritzen-Emoji nicht mehr als Symbol für Blutspenden oder Drogenkonsum verwendet, sondern für Impfungen – in Kombination mit Wörtern wie „Covid“, „Vakzine“ oder „Pfizer“. Das zeigt, wie schnell sich die Semantik der Symbole ändern kann. Allein, Emojis sind ein sehr bürokratisches Sprachsystem. Bis ein neues Zeichen dem Kanon hinzugefügt wird, können mitunter Jahre vorgehen. Das Unicode-Konsortium hat das Update coronabedingt verschoben, die neuen Symbole sollen 2022 enthüllt werden. Ob ein eigenes Impf-Emoji grünes Licht bekommen hätte, ist ohnehin fraglich, weil sich neue Symbole von bestehenden optisch unterscheiden müssen. Daher ist es einfacher, bereits zugelassene Emojis zu modifizieren.

Ein gutes Beispiel für die kreative Nutzung ist auch das Mikroben-Emoji. Während die Apple-Darstellung einem Virus am nächsten kommt, sieht es in der Facebook- oder Twitter-Version allerdings eher aus wie ein Bakterium, was die Kommunikation über das Coronavirus in diesem Fall etwas unpräzise macht.

Das Mikroben-Emoji war 2017 von einer Reihe von Wissenschaftlern beantragt worden, um ein Zeichen gegen Wissenschaftsfeindlichkeit zu setzen. Neben dem Bakterium finden sich in dem Vorschlag unter anderem ein Neuron, eine Petrischale, ein Laborkittel, eine DNA-Helix sowie ein Bunsenbrenner. Das Meiste wurde vom Unicode-Konsortium genehmigt (bis auf den Bunsenbrenner und das Neuron, weil es bereits ein lila Atom-Symbol gibt).

Die Wissenschaftlerin Jessica Morrison, die den Antrag mit stellte, jubilierte daraufhin auf Twitter, dies sei ihr „größter Beitrag zur Wissenschaft“. Das war freilich augenzwinkernd gemeint. Doch wenn Millionen Menschen mit Piktogrammen aus der Wissenschaft auf ihren Smartphone-Tastaturen operieren, trägt das vielleicht zu einer Versachlichung der Debatte bei. Ein Impf-Emoji ist vielleicht das beste Gegengift gegen die grassierende Infodemie.