Diese Simulation zeigt den abgasfreien Schiffsverkehr.
Foto: TU Berlin

BerlinIst in Berlin von Schifffahrt die Rede, denkt man vor allem an Ausflugsdampfer und Brückenfahrten. Doch Schifffahrt ist hier auch Wirtschaftsverkehr. Rund ein Zehntel des Güterverkehrs wird schwimmend abgewickelt. Es geht um Kohle und Erde, Baustoffe und schwere Maschinen. Fast 2,2 Millionen Tonnen wurden allein im vergangenen Jahr in Berlin auf Spree und Havel bewegt. „Wenn Siemens, Borsig oder MAN schwere Anlagen transportieren müssen, gibt es zum Schiff keine Alternative“, sagt Klaus-Günther Lichtfuß, Logistik-Chef bei der Berliner Hafen- und Lagerhausgesellschaft, kurz: Behala.

Allerdings werden sich die Schiffe verändern. Die Verkehrswende wird auch in der Binnenschifffahrt stattfinden. Während aber die nahezu ausschließlich dieselgetriebenen Fahrgastschiffe größtenteils nicht einmal Abgasfilter haben, hat der abgasfreie Gütertransport auf dem Wasserweg nun zumindest  schon mal einen Namen: „Elektra“.

Brennstoffzellen und Akkus

So heißt ein Schubschiff, dessen Bau vor wenigen Tagen in der Werft Hermann Barthel in Derben in Sachsen-Anhalt begonnen hat. Es ist das weltweit erste emissionsfreie Kanalschubboot. Die „Elektra“ wird angetrieben von Elektromotoren, die aus Brennstoffzellen und Akkus mit Strom versorgt werden. Entwickelt wurde die Elektra federführend am Institut für Land- und Seeverkehr der TU Berlin.

In etwa einem Jahr soll das Schubboot fertig sein und dann zwischen Berlin und Hamburg pendeln. Statt Diesel wird die „Elektra“ dafür insgesamt 750 Kilogramm Wasserstoff an Bord haben. Gespeichert wird das Gas mit einem Druck von 500 bar in 120 Flaschen. In Brennstoffzellen wird dieser Wasserstoff zu Strom gemacht, der dann Elektromotoren antreibt. Darüber hinaus hat die „Elektra“ Akkus an Bord, die ebenfalls Elektroenergie liefern. Im Kurzstreckenbetrieb, etwa zwischen dem Siemens-Anleger in Moabit und dem Westhafen, soll das Schiff vor allem mit Batteriestrom unterwegs sein.

Tests in Berlin geplant

Die TU-Entwickler, die für das Projekt unter anderem mit Ballard Power Systems (Brennstoffzellen), dem Wasserstoff-Spezialisten Anleg, der Behala oder dem niederländischen Unternehmen EST-Floattech zusammenarbeiten, haben dafür eine Betriebsdauer von etwa acht Stunden oder eine Reichweite von 65 Kilometern berechnet. Für überregionale Fahrten werden zudem die Brennstoffzellen genutzt. Dann soll die rund 20 Meter lange und achteinhalb Meter breite „Elektra“ mit einer Schublast von 1400 Tonnen 16 Stunden oder 130 Kilometer unabhängig unterwegs sein können. „Wo nur mit Akkustrom und wo mit Brennstoffzelle gefahren wird, werden Praxistests ergeben“, sagt Behala-Mann Lichtfuß.  

Der Aufbau einer entsprechenden Versorgungsinfrastruktur ist ebenfalls Teil des „Elektra“-Projekts. So sollen nicht nur am Westhafen und in Hamburg leistungsstarke Ladestationen installiert werden, sondern auch in den Häfen von Lüneburg und Haldensleben. Bis Ende 2024 sollen die Tests der „Elektra“ laufen. Dann wird die Behala das Schiff übernehmen und in Dienst stellen.