Entstehung des Lebens: Das irdische Leben kommt vom Mars

Das Leben kommt vom Mars? Da stellt sich mancher sofort grüne Marsmännchen vor oder die aggressiven Typen aus dem Tim-Burton-Film „Mars Attacks!“ von 1996. Doch ganz so spektakulär soll es nicht gewesen sein. Wie britische Medien am Donnerstag berichteten, hat der amerikanische Molekularbiologe Steven Benner auf einer Tagung erklärt: „Es scheint sich der Beweis zu erhärten, dass wir tatsächlich alle Marsmenschen sind, dass das Leben auf dem Mars startete und mit einem Gesteinsbrocken auf die Erde kam.“ Der Forscher vom Westheimer Institute for Science and Technology in Gainesville, Florida, trug seine Theorie auf einer Konferenz vor, die zur Zeit in Florenz tagt.

Benner ging von der Frage aus, über die Forscher seit langem nachdenken: Wie konnten sich irgendwann Atome zum ersten Mal verbinden, um die drei entscheidenden molekularen Komponenten lebendiger Organismen zu bilden: Ribonukleinsäure (RNA,) Desoxyribonukleinsäure (DNA) und Proteine? Die Moleküle des Lebens seien weitaus komplexer als die organische Ursuppe, die sich vor mehr als drei Milliarden Jahren auf der Erde gebildet habe, sagte Benner. Bestimmte chemische Elemente fehlten, um die „Tendenz des organischen Materials, sich in Teer zu verwandeln, zu kontrollieren“. Diese Elemente seien vor allem Bor und Molybdän. „Wir glauben daher, dass Mineralien, die diese Stoffe enthalten, entscheidend für den Ursprung des Lebens waren.“

Die frühe Erde war dagegen laut Benner ungeeignet für die Bildung dieser Stoffe. Bor gab es nicht in ausreichender Menge und Molybdän nicht in der notwendigen stark oxydierten Form. Es mangelte an Sauerstoff, dafür gab es zu viel Wasser. Doch der frühe Mars hatte Sauerstoff und Wasser in einer für die Entstehung des Lebens günstigeren Menge. Zum Glück, so Benner, hätten Meteoriten die Saat des Lebens auf die Erde gebracht. Bei der Analyse eines Mars-Metoriten habe man jüngst Bor nachgewiesen. Die Mars-Sonde „Curiosity“ wiederum bestätigte in diesem Jahr anhand einer Gesteinsprobe, dass es einst auf dem Mars Voraussetzungen für mikriobielles Leben gegeben habe.

Bisherigen Theorien zufolge soll das Leben auf der Erde vor etwa 3,5 Milliarden Jahren entstanden sein. So könnten sich zum Beispiel tief im Ozean in der Nähe heißer, mineralreicher Quellen Urbakterien gebildet haben. Auch die Möglichkeit, dass das Leben von außen kam, wird seit langem erwogen. Der sogenannten Panspermie-Theorie zufolge könnten unter anderem Kometen in ihren Kernen aus Eis Bakterien durchs ganze Sonnensystem transportiert haben. Ob das Leben auf diese oder andere Art auf die Erde gelangt ist – in jedem Fall sind die Bedingungen auf unserem Planeten so gut, dass es sich hier nicht nur erhalten, sondern zu vielfältigsten und schillerndsten Formen entwickeln konnte.