Die junge Generation weiß mit der digitalen Technik umzugehen. Und sie findet Lösungsideen für die Corona-Krise. 
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BerlinEinfach mal so 200 Leute zu einer Telefonkonferenz zusammenzubringen, das ist in der Corona-Krise auch kein Problem. Jedenfalls nicht für die junge Generation, die gerade dabei ist, mit ihren digitalen Verständnis  der Nation zu helfen.

Die Bundesregierung hatte vor drei Wochen zum Hackathon #WirvsVirus aufgerufen, kluge Köpfe aus den Bereichen der Computertechnik, des Programmierens und des Marketings waren zusammengekommen, um nach Lösungen zu suchen, die dem Land in der Krise helfen können. Sie hatten sich wegen der Vorschriften im Netz versammelt und über die Plattform Slack verständigt.

Ungefähr 27.000 Leute haben mitgemacht, 130 Vorschläge wurden ausgewählt, an denen zurzeit intensiv gearbeitet, auch in großen Telefonkonferenzen. Dorothee Bär (CSU), Digitalstaatssekretärin, sprach nachher von einer Riesensache, die gezeigt habe, dass die Gesellschaft zusammenstehen könne, wenn es darauf ankommt. Die Europäische Union ist jedenfalls so beeindruckt, dass Marija Gabrtel, EU-Kommissarin für digitale Wirtschaft und Gesellschaft, zu dem europaweiten Projekt #EUvsVirus am Wochenende aufgerufen hat. Etwa 30.000 Start-ups, Nichtregierungsorganisationen sowie private und öffentliche Organisationen wollen mitmachen.

In Deutschland sind die erste Ergebnisse des Hackathons schon sichtbar. So gibt es das Team Udo, das Betrieben helfen will, schnell und unkompliziert Kurzarbeitergeld zu beantragen. Das Konzept überzeugte die Agentur für Arbeit, die jetzt mit dem Team zusammenarbeitet. Als die Bundesregierung am vergangenen Mittwoch den Parlamentariern in den Ausschüssen ihr Digitalkonzept in der Krise vorstellte, da wurde auch über zwei Lösungsmöglichkeiten gesprochen, über die sich die jungen Leute Gedanken gemacht hatten beim Hackathon.

CoroNav ist ein Tool, um herauszufinden, ob eine Infektion wahrscheinlich ist oder nicht. Der Nutzer soll Fragen beantworten, bevor er einen Arzt aufsucht oder die Nummer einer Hotline wählt. Bei der zweiten Idee geht es um die Auslastung der Krankenhäuser. Welches Hospital ist überlastet, wo gibt es freie Betten? Eine schnelle Antwort auf die Frage kann Leben retten. Die Teams dahinter arbeiten in ihrer Freizeit an den Lösungsentwürfen.

Selbst Experten der Digitalszene sind überrascht, wie schnell und unbürokratisch die Umsetzung funktioniert. „Die Stimmung ist hoch“, sagt Phillipp von der Wippel. Der 24-Jährige ist einer der Enthusiasten, der bei der Koordinierung hilft. Schon mit 18 Jahren hat er angefangen, sich im sozialen Bereich zu engagieren, inzwischen hat sogar die Obama-Foundation in den USA über ihn berichtet. Ihm ist der digitale Beteiligungsprozess aus der Gesellschaft heraus wichtig, wie er sagt. Er spricht auch von einer intelligenten Verzahnung der Bottom-up-Bewegung mit staatlichen Institutionen. Also jungen Menschen, die noch am Anfang ihrer beruflichen Karriere stehen, nicht von Parteien oder Verbänden gefördert werden, sondern aus eigenem Impuls heraus und mit viel Enthusiasmus, gesellschaftliche Probleme lösen wollen.

Die Bundesregierung hatte vor einiger Zeit angefangen, sich von der Digitalgeneration inspirieren zu lassen. Tech4Germany ist eine Einsatzgruppe, die den Bereich Verwaltung upgraden will. Die 28 Jahre alte Anna Hupperth betreut die Öffentlichkeitsarbeit und gehörte auch zum Organisationsteam des Hackathons. Sie spricht von „Spirit und Willen“, etwas an den bekannten Strukturen verändern zu wollen.

Allerdings werden die Organisatoren von #WirvsVirus am Wochenende beim europäischen Hackathon nicht dabei sein. Das Team will sich auf die Unterstützung der Projekte in Deutschland konzentrieren. Denn das gehört auch zu dem strategischen Konzept: bestmögliche Förderung durch Mentoren und Experten für die Teams, damit es schnell vorangeht. Es gibt allerdings Empfehlungen an die Teams, sich an der europaweiten Kollaboration zu beteiligen, damit die besten Ideen in vielen Ländern eingesetzt werden können und ein internationales Learning möglich sein wird.

Am Wochenende mit dabei ist das Team von RemedyMatch - auch entstanden ist beim nationalen Hackathon. Die Gruppe arbeitet an einer deutschlandweiten Logistikplattform, die Bestand und Bedarf von medizinischen Schutzartikeln zusammenbringt. Es geht darum, Lieferengpässe während der Covid-19-Pandemie zu überbrücken und Bedürftige schnell, lokal und unkompliziert mit Schutzartikeln zu versorgen. Skalieren ist das Schlagwort, das Melanie Uhlen benutzt, die sich um die Kommunikation bei RemedyMatch kümmert. Es geht bei dem Hackathon aus ihrer Sicht also um eine Verbreitung der Geschäftsidee in andere europäische Länder.

Christian Miele, Chef des Start-up-Bundesverbandes und Unterstützer des EU-Projektes sagt zu dem allgemeinen Engagement:„Das zeigt, dass die Gründerinnen und Gründer in unserem Land ein tiefes Verantwortungsbewusstsein für diese Gesellschaft und die Menschen, die in dieser Gesellschaft leben, besitzen.“