Viele verschiedene Kabel, ein Ziel: ein Smartphone laden. Diese Vielfalt an Steckern könnte bald ein Ende haben.
Foto: imago images / biky

Berlin„Hast du mal ein Ladekabel für das iPhone 11?“ – „Sorry, ich habe ein Samsung-Handy.“ Dialoge wie dieser könnten bald der Vergangenheit angehören. Die EU-Kommission brütet über einem Eingriff in den Elektronik-Markt mit Auswirkungen für fast jeden Haushalt in Deutschland. Soll sie strikt vorschreiben, dass Smartphones künftig eine einheitliche Ladebuchse haben müssen? Die Brüsseler Behörde will im dritten Quartal 2020 einen Vorschlag vorlegen. Es gibt viele Augmente dafür und dagegen – ein Überblick.

Klar ist: Verbraucher würden profitieren. Der Komfort würde steigen, die lästige Suche nach dem richtigen Anschluss, etwa im Büro, würde entfallen. Statt beim Smartphone-Neukauf ein Zweitkabel für zum Beispiel das Auto dazuzukaufen, nutzt man hersteller- und generationenübergreifend ein und dasselbe Kabel.

Rein technisch gesehen bietet USB-C tatsächlich die Möglichkeit. Das Format ist zudem noch auf mindestens einen großen Leistungssprung ausgelegt und bleibt damit auf absehbare Zeit zukunftssicher. Das bestätigt die Industriegruppe USB-IF.

Lesen Sie auch: Preise für Rufnummer-Mitnahme bei Anbieterwechsel zu hoch >>

Elektroschrott wird wohl kaum verringert

Und dann treten da noch die Umweltschützer auf den Plan, die die diversen unterschiedlichen Ladetechniken für jährliche Berge an Elektroschrott verantwortlich machen. So ist ein wesentlicher Punkt, warum die Vereinheitlichung der Netzkabel überhaupt auf den Tisch gekommen ist, dass laut EU-Parlament rund 51.000 Tonnen Müll jährlich durch Ladekabel entstünden. Aber: Bisherige Absichtserklärungen rütteln gar nicht daran, dass neue Smartphones stets mit Ladegerät und Kabel verkauft werden - obwohl sich in den Haushalten immer mehr davon türmen.

Lesen Sie auch: Goodbye altes Smartphone: So löschen Sie persönliche Daten >>

Das Ausmaß des positiven Einflusses auf die Umwelt ist also fraglich. Denn: Verbraucher erwarten schlicht, dass beim Kauf eines neuen Smartphones ein Ladekabel dabei ist. Das sei auch sinnvoll, ja, sogar ein Schutz für den Käufer, der anderenfalls durch Billig-Angebote in Versuchung geführt werden könnte, potenziell gefährlicher Ladetechnik zu nutzen. Darauf weisen Hersteller eindringlich hin.

Und dann wäre da ja noch die Frage, ob die EU-Kommission eine Ladebuchse überhaupt grundsätzlich vorschreiben kann. Einige Anbieter präsentierten bereits Modelle, die allein kabellos aufgeladen werden und auf Ladebuchsen verzichten. Analysten spekulieren auch über Apple-Pläne in diese Richtung.

Lesen Sie auch: Smartphone-Betriebssystem: Was Android 11 alles kann >>

Die Autoren einer Studie, die die EU-Kommission kürzlich veröffentlichte, kommen letztlich zu der Schlussfolgerung, es gebe keine optimale Lösung. „Alle Optionen haben ihre Nachteile“, schränken die Autoren ein. Auch eine Lösung mit Adaptern steht im Raum, Verbraucherschützer lehnen diese jedoch ab. Am Ende, sagen die Studienautoren, laufe es auf eine „politische Entscheidung“ hinaus, die auch Risiken und Unsicherheiten in Betracht ziehen müsse. (mit dpa)