Berlin - So alt ist das Internet noch gar nicht, und doch erinnern die Pioniere immer wieder gerne an den Gründergeist, an den Gedanken von Freiheit, die grenzenlosen Möglichkeiten des Informationsaustausches, an den Anfang also. Sie tun das auch deshalb, weil diese Hoffnung sich nicht erfüllt hat. Zu diesem Schluss kommen jedenfalls  nicht wenige Sprecher beim diesjährigen Treffen der Hacker-Szene auf Einladung des Chaos Computer Clubs. 

Am Sonntag ging es los, natürlich nur digital, statt dem 37C3 gibt es nun den ersten rC3, also eine Tagung im Remote-Modus. Vier Tage lang wird die Lage der Welt aus Sicht der Hacker und Netzaktivisten betrachtet. Einer der ersten namhaften Sprecher war der Blogger und Buchautor Cory Doctorow. Er beklagte die Entwicklung um die großen fünf Unternehmen im Netz, Amazon, Facebook, Google, Apple und Microsoft, die inzwischen viel zu viel Macht mit den von ihnen erhobenen Daten hätten.

Ähnlich sieht es auch Markus Beckedahl, der am Montagabend seinen Vortrag unter dem Titel „Wetterbericht“ hielt. Er fasst alljährlich die Entwicklungen des gesamten Jahres zusammen. Und wer denken sollte, da war außer Corona nicht viel, irrt. Denn ein wichtiger Baustein im Kampf gegen die Pandemie sollte die Corona-Warn-App werden. Beckedahl hält sie für gelungen, weil die Regierung endlich einmal zugehört habe, als es um die Bedürfnisse der Netzgemeinde in Sachen Datensicherheit ging. 

Nur leider habe die Regierung vergessen, im Sommer an der App weiterzuarbeiten. So wäre es technisch längst möglich, Teilnehmer von größeren Veranstaltungen zu informieren, wenn es zu einem Corona-Fall gekommen wäre. Außerdem hätte es die Chance gegeben, die Labore technisch besser auszustatten, um die Ergebnisse schneller nutzen zu können. „Wenn Leute behaupten, dass die App wegen des Datenschutzes nicht funktioniert, dann ist das ein Ablenkungsargument, das hat die App nicht verdient“, sagte Beckedahl im Gespräch mit der Berliner Zeitung. 

Aus Berliner Sicht gab es auch eine Neuigkeit. Es ging dabei um die Schulen und die Nutzung von Videokonferenz-Anbietern. In Zukunft will die Senatsverwaltung für Bildung auf den Open-Source-Anbieter BigBlueButton setzen.