Künstlerische Darstellung der Nachtseite des Exoplaneten Wasp-76b. Er befindet sich im Sternbild Fische

London/GenfAstronomen haben einen Exoplaneten mit einer besonderen Form von Extremwetter beobachtet. Auf der Tagseite des 640 Lichtjahre entfernten Gasriesen im Sternbild Fische wird es so heiß, dass Metalle schmelzen und es abends Eisen regnet. Das schließen die Forscher um David Ehrenreich von der Universität Genf aus den Mengen an Eisendampf in der Atmosphäre des Planeten, die sie nachgewiesen haben.

Wie das Team im Fachblatt Nature berichtet, wird ein Bruchteil dieses Eisens aufgrund der Rotation des Planeten und der atmosphärischen Winde in die Nachtseite eingetragen. Dort trifft das Eisen auf viel kühlere Umgebungen, kondensiert und regnet herunter.

Der Planet mit der Katalognummer Wasp-76b hat knapp den doppelten Durchmesser des Jupiter, des größten Planeten in unserem System. Er umrundet seinen Heimatstern so eng, dass er rund tausendmal mehr Strahlung von ihm empfängt als die Erde von der Sonne. Dabei wendet er seinem Stern stets dieselbe Seite zu, so wie der Mond der Erde ebenfalls immer dieselbe Seite zeigt. Dadurch wird es auf der Tagseite des Gasriesen 2400 Grad Celsius heiß – Temperaturen, bei denen Metalle verdampfen. 

Temperaturen von rund 1400 Grad auf der Nachtseite

Auf der immerwährenden Nachtseite ist es jedoch rund 1000 Grad kühler, wie die Wissenschaftler berichten. Die Astronomen untersuchten den exotischen Gasriesen mit einem Spezialinstrument am Very Large Telescope der Eso. „Die Beobachtungen zeigen, dass in der Atmosphäre der heißen Tagseite von Wasp-76b Eisendampf im Überfluss vorhanden ist“, betont Zapatero Osorio.

Auch in der Abendzone, die Tag- und Nachtseite des Planeten trennt und in der es kühler wird, zeigte sich eine starke Eisen-Signatur. „Man könnte sagen, dass es auf diesem Planeten abends regnerisch wird, nur dass es Eisen regnet“, erläutert Ehrenreich. Allerdings ist dabei immer in derselben Region des Planeten Abend.

Mit der Untersuchung haben die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler nicht nur die großen Temperaturunterschiede zwischen den beiden Seiten des Planeten bestimmt, sondern auch eine unterschiedliche Tag- und Nachtchemie nachgewiesen, die zu dem Eisenregen führt. Diese Beobachtungen lassen sich auch bei anderen Planeten durchführen, wie Ehrenreich betont. „Was wir jetzt erhalten haben, ist eine ganz neue Art, das Klima der extremsten Exoplaneten zu erforschen.“ (dpa/fwt)