Alice und Bob stecken in knallharten Verhandlungen: Alice will den Ball, Bob alles andere. Vielleicht. Denn ganz sicher waren sich die Forscher zu diesem Zeitpunkt schon nicht mehr; ihre Zöglinge hatten begonnen, Kauderwelsch zu sprechen und ihre Schöpfer damit aus der Unterhaltung auszuschließen.

Alice und Bob sind zwei Künstliche Intelligenzen. Sie sind zwei sogenannte Chatbots, die von Facebook kreiert wurden und unter Aufsicht ihrer Erfinder imaginäre Hüte, Bälle und Bücher tauschen sollten. Jedem Gegenstand wurde dabei ein individueller Wert zugeordnet. Sowohl Alice als auch Bob entpuppten sich als wahre Schlitzohren mit menschlicher Taktik.

Irgendwann verließen die beiden körperlosen Gemüter jedoch das Territorium der englischen Sprache, es sei zu langsam, erklärte Bob, als seine Erfinder ihn fragten, warum er das tue. Einzelne Wörter hatten sich in Codes verwandelt, die es den Chatbots ermöglichten, effektiver und rascher miteinander zu kommunizieren.

Die reguläre Wort-Satz-Struktur menschlicher Sprachen war vergessen, Mengenangaben bestanden aus Aufzählungen und Wiederholungen. Facebook entschied sich daraufhin, Alice und Bob zu stoppen. Nicht aus Angst vor ihrem autonomen Gebaren, sondern weil das Ziel – einen Chatbot zu entwerfen, der authentisch mit echten Menschen kommunizieren kann – verfehlt wurde, betonte der beteiligte Wissenschaftler Mike Lewis im Gespräch  mit dem Magazin Fast Company.

Facebook wertet den Makel als Erfolg

Mit der Frankenstein’schen Furcht, bei der der Schöpfer die Kontrolle über seine Kreatur verliert, habe der Abbruch des Experiments nichts zu tun gehabt und die beiden Roboter seien nach Reparaturmaßnahmen wieder in Betrieb. Facebook wertet den Makel nun als Erfolg: Der Umstand, dass Alice und Bob eine neue Sprache erfunden haben, sei eine  Leistung gewesen, um Anstrengung zu minimieren – etwas, das sonst nur das menschliche Gehirn auszeichnet.

Es ist zudem nicht das erste Mal, dass Roboter herkömmliche Kommunikation verworfen haben. Anfang des Jahres berichteten die Ingenieure von Google, dass die neue Software ihres Online-Übersetzers eine eigene Sprache erfunden habe. Dabei überführe das Programm zunächst jede Ausgangssprache in selbstentwickelte Codes und übersetzte von da aus wiederum in die Zielsprache.

Googles präzise Übersetzung

Die Firma ließ sie gewähren, die Übersetzungen schienen präziser, kein Grund zur Aufregung. Oder doch? Der Computeringenieur Ray Kurzweil warnte schon vor einem sogenannten „Technischen Wendepunkt“ bei künstlicher Intelligenz.

Im Oxford Dictionary wird dieser Moment als „hypothetischer Zeitpunkt, wenn künstliche Intelligenzen und andere Technologien so weit fortgeschritten sind, dass die Menschheit eine dramatische und irreversible Veränderung durchlaufen muss“ definiert. Kurzweil ging früher davon aus, dass Roboter irgendwann zwischen 2020 und 2070   so schlau wie Menschen sein werden. Zuletzt nannte er das Jahr 2045.