"Tag 154. Der violette Schein des Polarlichts gibt der Nacht etwas Geheimnisvolles. Gute Nacht von der Raumstation!", schreibt Astronaut Scott Kelly. Er wünscht denen auf der Erde, die seine Nachrichten bei Twitter und Facebook abonniert haben, oft auch einen schönen Sonnabend oder einen tollen Kaffee- oder Hamburgertag. Seit dem 28. März 2015 ist der 51-Jährige an Bord der Internationalen Raumstation ISS und hat nun die Hälfte seines geplanten Aufenthalts im All geschafft.

Seit seiner Ankunft schickt er jeden Tag mindestens ein Foto von der Erde – bei Tag, bei Nacht, von Wüsten, Dschungeln, Kratern, Inseln, Städten. Sogar von Hurricanes, die sich zusammenbrauen. Und nicht zu vergessen: von sich selbst und seiner Forschungsarbeit. Ähnlich hat das auch schon der deutsche Astronaut Alexander Gerst während seines Aufenthalts auf der ISS gemacht.

Das All ist nur ein paar Klicks entfernt

Kelly lässt Tausende an seinem Alltag teilhaben, er macht sogar Fragestunden bei Twitter. Damit ist das All nicht mehr unerreichbar, sondern nur ein paar Klicks entfernt. Was macht er morgens als Erstes? Den Computer anschalten, Mails, Nachrichten und den Arbeitsplan checken. Wie wäscht er seine Wäsche? Gar nicht, sie wird nach dem Tragen weggeworfen…

Aber Kelly dient auch der Forschung. Zusammen mit den anderen Besatzungsmitgliedern betreibt er um die 400 Experimente. Geglückt ist zum Beispiel zum ersten Mal der Anbau von Salat im All. Den haben die Crewmitglieder gleich genüsslich verspeist. Der erfahrene Astronaut Kelly gehört sogar selbst zu einem Forschungsprojekt: Dabei geht es um die Frage, wie sich lange Weltraumreisen auf den menschlichen Körper auswirken. Diese Erkenntnisse sind wichtig etwa für einen möglichen bemannten Flug zum Mars.

Die Wissenschaftler der Raumfahrtagentur Nasa versprechen sich viel von der aktuellen Mission: Denn mit Scott Kelly wurde zum ersten Mal ein eineiiger Zwilling ins Weltall befördert. Mit ihrem fast identischen Erbgut sind er und sein Bruder Mark, ebenfalls Astronaut, gut vergleichbar.

Studie zum Altern im All

Untersucht wird zum Beispiel, ob Schwerelosigkeit und kosmische Strahlung das Genmaterial verändern – wie etwa die Telomeren in den Chromosomen. Über sie lässt sich das Alter eines Menschen genau bestimmen. So könnte man herausfinden, ob Scott Kelly langsamer altert als sein Bruder auf der Erde.

Nach Scott Kellys voraussichtlicher Rückkehr im März 2016 soll auch die Wirkung einer Impfung auf das Immunsystem verglichen werden. Das Serum hat sich Kelly am 24. September selbst gespritzt. Das Beweisfoto ist bei Twitter zu sehen.