Der Vorwurf war für Donald Trump dann doch so bedeutend, dass er sich persönlich äußerte. Bevor der US-Präsident zu den Gedenkfeiern nach Paris abhob, erklärte er, dass niemand im Weißen Haus ein Video manipuliert habe.

Es ging um die tumultartige Pressekonferenz in der vergangenen Woche, als eine Praktikantin dem CNN-Reporter Jim Acosta das Mikrofon aus der Hand nehmen wollte, er sich aber weigerte, es abzugeben.

Weiße Haus lässt Entschuldigung weg

Ein Video, das Sarah Sanders, die Sprecherin im Weißen Haus, zu dem Vorfall veröffentlichte, weckte den Verdacht, dass die Bilder der Rangelei bearbeitet worden seien. US-Medien sprachen von Manipulation. In dem Video sieht es so aus, als würde Acosta der jungen Frau in dem Moment, in dem sie ihm das Mikrofon abnehmen will, rasch mit der Hand auf den Arm schlagen.

Originalaufnahmen der Szenen zeigen jedoch, dass Acosta eher sacht den Arm der Praktikantin berührt und sich auch sofort bei ihr entschuldigt – die Entschuldigung ist in dem von der Trump-Sprecherin verbreiteten Video weggelassen worden.

Eine Manipulation wie zum Beispiel das Hinzufügen von bearbeiteten Einzelbildern lässt sich auf Grundlage des Materials bisher nicht eindeutig beweisen, schrieb die Deutsche Presseagentur später. Eine videotechnische Analyse der britischen Zeitung Independent kam zu dem Schluss, dass in der entscheidenden Szene der Sanders-Version ein Einzelbild minimal länger gezeigt wird.

Was auch immer im Hintergrund beim Erstellen des Videos genau passierte, es ist aus technischer Sicht nicht sonderlich aufwendig gewesen. Inzwischen gibt es Methoden, bei denen der ungeschulte Betrachter nicht so leicht herausfinden kann, ob an einem Video herumgedoktert worden ist.

Angst vor der Zukunft

Im April hielt der ehemalige Google-Mitarbeiter Supasorn Suwajanakorn einen Vortrag in Vancouver bei einer der renommierten Ted-Konferenzen. Nach acht Minuten war er fertig mit seiner Präsentation – und die Zuschauer sprachlos. Suwajanakorn berichtete von dem Auftrag, den er erhalten hatte: Er sollte anhand von frei verfügbaren Fotos und Videos ein Computer-Model erstellen, das so aussieht, so spricht und so reagiert wie sein menschliches Vorbild.

Zu Beginn zeigte der Wissenschaftler vier Videos von Barack Obama, in denen der US-Präsident sich zur politischen Entwicklung äußert. Anschließend fragte Suwajanakorn die Zuschauer, welches Video echt sei. Keine einfache Frage, denn alle vier wirkten authentisch. Aber alle waren gefälscht. Der Daten-Wissenschaftler aus den USA erzählte, dass er neuronale Computer-Netzwerke stundenlang mit Video-Material von Obama gefüttert hatte, so dass die Mundbewegungen sich problemlos in ein beliebiges Obama-Video implantieren ließen.

Als er die Reaktion der Zuschauer bemerkte, sagte Suwajanakorn, dass auch er ein wenig Angst habe vor dem, was in Zukunft mit digitaler Technik möglich sei. Auch deshalb hat er mit Kollegen eine Software entwickelt, mit der angeblich Fake-Videos identifiziert werden können.

Aber nicht nur die Videos von prominenten Persönlichkeiten lassen sich drastisch verändern. In der Film-Industrie gehört die Bearbeitung des Bildmaterials zum Standard. Bei Marvel, dem Haus der Supermänner und Superfrauen, ist es üblich, dass jede Filmsequenz bearbeitet wird. Manchmal sind nur Farbkorrekturen notwendig, manchmal gibt es auch größere Veränderungen. So etwas kann das Berliner Studio Rise. Es war auch für die digitale Bearbeitung des Serien-Projekts „Babylon Berlin“ verantwortlich.

In manchen Aufnahmen wurde der Fernsehturm wegretuschiert, denn den gab es damals noch nicht. Um in einer Szene den Alexanderplatz mit vielen Statisten zu füllen, genügte dem Team eine entsprechende Software. Und schon wurden Passanten generiert, die sich wie echte Schauspieler bewegten. Der Platz wirkte gut gefüllt.

Aufwendige Bildanalyse

Bilder zu manipulieren, das sagt Christian Malterer, Wissenschaftler an der Berliner Mediadesign-Hochschule, ist nicht mehr schwer und wird in Zukunft noch leichter. Die Begründung: Rechner werden schneller und künstlerische Tools besser. Er selbst war daran beteiligt, als das Filmmaterial von „Metropolis“ aufgearbeitet wurde.

Zurzeit sei es noch so, dass bei Filmproduktionen wegen der großen Datenmengen und dem Wunsch nach Perfektion viel Zeit und Rechnerleistung notwendig seien. Qualität sei am Ende eine Frage des Geldes und des Aufwands. Aber bei Youtube-Videos mit geringer Auflösung sei die Bearbeitung oder auch Manipulation für Experten eigentlich Kleckerkram, also nicht sonderlich schwer.

Und der Nachweis, ob etwas gefälscht ist? Da sei eine aufwendige Bildanalyse notwendig, sagt Malterer. Unterschiedliche Bildschärfe sei ein Kriterium bei der Untersuchung. Vor Gericht ist es so, dass dem Richter eine wichtige Aufgabe zukommt, wenn ein Kläger sich gegen die Verletzung des Rechts am eigenen Bild wehrt.

„Hält ein Gericht ein Video nach seiner Prüfung für echt, müsste der Kläger die Echtheit konkret in Zweifel ziehen“, sagt der Berliner Anwalt David Geßner, ein Experte für Medienrecht. „In der Regel wird dann ein gerichtliches Sachverständigengutachten eingeholt.“