"Welche Mauern fallen als nächste?" – jährlich, zum 9. November, steht in Berlin diese Frage im Rahmen der sogenannten Falling Walls Conference. Dabei geht es um Durchbrüche in der Forschung.
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Mit einem ganz großen Aufschlag startet Berlin in diesem Jahr in seine fünfte Science Week. Einen „Weltgipfel der  Wissenschaft, Forschung und Innovation“ wolle man schaffen, hieß es am Mittwoch bei der Vorstellung des Programms in Berlin.  Unter anderem sollen aus mehr als 600 Forscherbeiträgen, die per Video eingesandt worden, am 9. November in zehn Kategorien jeweils ein „Falling Walls Breakthrough of the Year“ – also Durchbruch des Jahres –gekürt werden.

„Falling Walls“, fallende Mauern – unter diesem Motto war bereits vor elf Jahren eine Veranstaltung ins Leben gerufen worden. Genau am Tag des Mauerfalls sollten Spitzenforscher aus aller Welt in wenigen Minuten erzählen, welche Projekte die nächsten großen Durchbrüche bringen könnten. Die sogenannte Falling Walls Conference, auf der das stattfand,  wurde 2016 in den Rahmen eines größeren Programms gestellt: der Berlin Science Week. Sie findet in diesem Jahr zum fünften Mal statt. Vom 1. bis zum 10. November gibt es etwa 200 Veranstaltungen in unterschiedlichster Form, darunter 180 digitale Veranstaltungen.

„World Science Summit“, lautet die Überschrift der diesjährigen Reihe. Darin geht es um aktuelle Themen: von künstlicher Intelligenz und Robotik über Quantentechnologie, Covid-19, Wasserstoff als Energieträger, Klimatechnologie, Ernährung, Gesundheit, die Zukunft der Wälder und des Wassers bis hin zu fairem und nachhaltigen Wirtschaften. Man wolle „Lust machen auf eine spannende Science Week im Science Year“, sagte der Regierende Bürgermeister Michael Müller (SPD). Er erinnerte an die Bedeutung, die die Wissenschaft im Corona-Jahr gewonnen hat. Man wolle auch die Stadtgemeinschaft mehr einbeziehen.

Auch die jüngst gekürte Berliner Nobelpreisträgerin Emmanuelle Charpentier trat bereits auf der Falling Walls Conference auf. Im Jahre 2015 stellte die französische Mikrobiologin und Wahlberlinerin dort ihre Crispr/Cas-Methode vor, die „Genschere“, die die biomedizinische Forschung revolutionierte. Am 7. Oktober wurde ihr dafür der Chemie-Nobelpreis zugesprochen. Und es wird spannend sein, wie viele potenziell  preiswürdige Arbeiten in diesem Jahr dabei sind.

In den vergangenen Jahren fand die Konferenz im Radialsystem in der Holzmarktstraße statt. Doch in diesem Jahr ist dies nicht möglich. Also habe die Frage gestanden, „ob wir aus der leider notwendigen Absage unserer Präsenzveranstaltung etwas Gutes und Neues entwickeln können und die Chancen des Digitalen nutzen“, teilen die Veranstalter. Das Ergebnis ist das globale Forum für Forscher. Eine Expertenjury hat sich 900 Nominierungen aus 111 Ländern in zehn Kategorien befasst, um daraus rund 600 Finalisten auszuwählen. Jeder von ihnen stellt seinen Durchbruch in fünf Minuten vor. Wollte man alle sehen, bräuchte man 50 Stunden, also mehr als zwei Tage ohne Pause.

Aber es lohnt sich, zumindest reinzuhören. Vorgestellt werden zum Beispiel Ansätze für neueste personalisierte Krebs-Impfungen und Immuntherapien, innovative Ansätze zur Speicherung des klimaschädlichen CO2 in Mangroven, Seegras und Salzwiesen. Es geht um mobile Miniaturroboter, die im menschlichen Körper navigieren und medizinische Aufgaben erfüllen können, aber auch um Experimente, mit denen man nachweislich die Empathie zwischen Menschengruppen steigern kann – als Voraussetzung für die Vermeidung von Konflikten.

Das Programm der Berlin Science Week findet sich im Internet unter www.falling-walls.com/2020. Die Finalisten sind zu sehen unter www.falling-walls.com/2020/finalists.