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Sie sind kreisrund, können Durchmesser von mehreren Metern erreichen, sind nur am Rand mit Vegetation bewachsen und der Forschung ein Rätsel. Die Rede ist von sogenannten Feenkreisen in den Wüsten des südwestlichen Afrikas. Eine jetzt im Fachblatt Science erschienene Studie führt die Existenz dieser Gebilde auf das Wirken einer bestimmten Termitenart zurück. Zugleich weist die Studie auf die Bedeutung hin, die diese Insekten für das Ökosystem in der Region haben.

Der Biologe Norbert Jürgens von der Universität Hamburg untersuchte dafür einen 2000 Kilometer langen Wüstenstreifen zwischen Angola, Namibia und Südafrika. Die einzigen Lebewesen, die in allen Fällen in unmittelbarer Nähe der Feenkreise lebten, waren Termiten der Art Psammotermes. Der Wissenschaftler vermutet, dass Feenkreise entstehen, weil die Termiten die Wurzeln der spärlich wachsenden Gräser fressen, wodurch diese absterben. Durch die fehlende Grasschicht dring das Wasser direkt in den Boden ein, anstatt, wie bisher, auf den Grashalmen zu verdunsten. Im sandigen Wüstenboden ist es vor Verdunstung geschützt und ermöglicht es den Termiten, die Trockenzeit zu überstehen.

Zu Beginn ihrer Entstehung ist die Kahlfraßstelle nicht kreisförmig, sondern in unterschiedlichen Mustern geformt. Erst nach zwei oder drei Jahren wird das Muster rund. Norbert Jürgen vermutet, dass das Wasser nachdem es sich im Boden gesammelt hat, vom Sand gleichmäßig in alle Richtungen gezogen wird. Am Rand des Kreises, dort wo die Termiten die Wurzeln nicht fressen, bietet der feuchte Untergrund besonders gute Bedingungen für das Wachstum von Pflanzen. Die biologische Vielfalt nimmt durch das ganzjährig vorhandene Wasser zu, ebenso die Biomasse an Pflanzen und Termiten.

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Wüste wird zu Grasland

Die Termiten tragen nach Auffassung des Forschers dazu bei, große Wüstengebiete dauerhaft in artenreiches Grasland zu verwandeln, in dem auch in der Trockenzeit Leben existieren kann. Der Hamburger Wissenschaftler vergleicht die Leistung der Termiten mit Blick auf Landschaftsgestaltung mit denen des Bibers. Die räumliche Dimension sei sogar weitaus größer.

Allerdings habe die Studie auch Widerspruch ausgelöst, berichtet Spiegel online. Der Biologe Walter Tschinkel von der Florida State University in den USA, der seit Jahren das Phänomen der Feenkreise erforscht, favorisiere zum Beispiel eine andere Theorie: Die Kreise entstünden womöglich von selbst, weil in der regenarmen Savanne die Vegetation besonders intensiv um Wasser wetteifere. Unterschiede in der Bodenfeuchte könnten dafür sorgen, dass sich das Gras in bestimmten Arealen gleichmäßig in alle Richtungen zurückziehe. Andere Forscher favorisieren aufsteigendes Erdgas oder Ameisen als Verursacher der Kahlstellen.

Andere Forscher dagegen stützen die These, dass das Wirken von Tieren mit dem Phänomen zusammenhängen könnte. Auch die Termiten-Theorie ist nicht neu. Sie sei aber bisher nicht mit genügend Daten belegt, behauptet Tschinkel. Der  Hamburger Forscher Norbert Jürgens habe die Termiten zwar erstmals statistisch erfasst und in Beziehung zu den Kreisen gesetzt. Aber auch er bringe keinen Beweis dafür, dass sie  Gras wirklich vernichteten. Ihre langen unterirdischen Tunnelnetze zeigten jedenfalls keine Beziehung zu den Kreisen. So wird die wissenschaftliche Debatte wohl noch eine Weile weitergehen.

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