James Bond kommt einfach überall hin. Er verfolgt den Bösewicht durch die engen Gassen des Basars, schwingt sich leichtfüßig auf ein Baugerüst, baumelt in schwindelerregender Höhe an einem Kran und springt schließlich von einem Istanbuler Dach aufs nächste. Die erste Szene des 007-Films „Skyfall“ aus dem Jahre 2012 beinhaltet beeindruckende Stunts – aber sie wirkt im ersten Moment wie eine gewöhnliche Verfolgungsjagd. Erst auf den zweiten Blick stimmt etwas nicht: Wie hält die Kamera Schritt mit einem Motorrad, das über Dachstühle rast? Wie blickt sie Bond über die Schulter, als er aus dem Fenster hinab auf einen Zug springt? Skyfall war der Beginn einer mittlerweile milliardenschweren Industrie: fliegende Kameras.

Drohnenaufnahmen zeigen kaum zugängliche Orte - Naturdokumentationen profitieren davon

Seitdem gibt es kaum noch einen anspruchsvollen Spielfilm oder eine eindrucksvolle Dokumentation ohne den speziellen Blick, den die moderne Technik ermöglicht. Die New York Times schrieb neulich schon von der „Dronepocalypse“, weil selbst in eher klassischen Produktionen wie dem Porträt von Werner Herzog über den ehemaligen sowjetischen Staatschef Michail Gorbatschow Bilder zu sehen sind, die nur mithilfe der modernen Technik möglich sind. So fliegt eine Drohne über Gorbatschows Geburtsort Priwolnoje.

Vor allem Tier- und Naturdokumentationen profitieren von der Innovation – mit der Drohne entstehen Bilder von Orten, die ansonsten nicht zugänglich wären. Wieder Werner Herzog: In seiner Dokumentation „Into the Inferno“ lässt er eins der Flugobjekte das Innere eines Vulkans erkunden. Himmel und Hölle also voller voller Kameras und Objektive – Technik-Nerds vergleichen die Drohnen mit der Einführung von Farbfernsehen, Ton oder Computergrafiken. In New York huldigte daher bereits das erste sogenannte „Drone Film Festival“ der Erfindung. Für andere Kritiker ist diese Technik aber bereits ein bisschen zum Klischee geworden. So schrieb der Filmkritiker und Kurator Eric Hynes im vergangenen Jahr in der Zeitschrift Film Comment, er habe den Eindruck, dass man „alle mit demselben neuen Spielzeug spielen lässt“.

Drohnenaufnahmen benötigen Erfahrung und Präzision

Mit dieser Meinung ist Hynes nicht allein: „Der unbedachte Einsatz einer Drohne wirkt mittlerweile sehr generisch. Das Auge kennt dieses Bild bereits. Immer wieder gleitet die Drohne eine Hauswand hinab oder filmt eine Wohnsiedlung von oben“, findet auch Julian Glöckner. Als Kameramann bei Skynamic arbeitet er seit geraumer Zeit jeden Tag mit Drohnenpiloten zusammen – die Firma mit Sitz in Berlin und Niederlassungen in Barcelona und Marokko hat sich auf Luftbildaufnahmen für die Filmindustrie spezialisiert. Zuletzt gehörte Glockner zu der Crew, die die ersten Bilder des Rammstein-Videos zum Song „Germania Magna“ produziert hat, davor war ein Skynamic-Team für eine deutsche Filmproduktion in der Sahara unterwegs. „Für mich ist es nicht mehr interessant, wenn eine Drohne weitwinklig und herausgezoomt über eine Landschaft segelt. Da muss schon etwas neues, dynamisches hinzukommen“, sagt Glöckner und überlegt einen Moment beim Gespräch am Telefon: „Ich finde es beispielsweise toll, wenn man sich traut, mit der Drohne nah ranzugehen. Wenn man nah über den Boden fliegt, durch enge Straßen manövriert oder mit hoher Geschwindigkeit an Höhe gewinnt.“

Für diese Art Einstellungen brauche es aber einen erfahrenen Piloten, erklärt Glöckner. Es müsse schnell und intuitiv passieren: „Unsere Piloten haben rund 15 Jahre Flugerfahrung. Das sind Leute, die früher keine Freunde hatten und deswegen schon damals mit Modellflugzeugen experimentiert haben“, sagt Glöckner und lacht. „Keine Banker, die jetzt einen einfachen Quereinstieg wollen und dann schnell mit dem Gerät am nächsten Baum hängen bleiben.“

Bei einer Drohne, die locker mit bis zu 60 Kilometern pro Stunde durch die Luft saust, braucht es für atemberaubende Momente viel Expertise und Präzision. Dann sei der Kreativität keine Grenze gesetzt: „Im Gegensatz zum Kran oder Helikopter ist die Drohne sehr wendig. Sie bewegt sich in alle Himmelsrichtungen und kann Kameras mit bis zu 15 Kilogramm Gewicht tragen.“ Im Gegensatz zu einem Kranaufbau sei sie außerdem viel zeitsparender – und Zeit am Set bedeutet bekannterweise Geld.