Immer ein Klamauk: Bild der Ig-Nobelpreis-Verleihung vom vergangenen Jahr. Die Forscherin Patricia Yang hatte mit anderen zusammen untersucht, wie und warum Wombats würfelförmigen Kot produzieren. Dieses Jahr wurden die Preise nur im Internet verliehen.
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BostonNarzissten-Augenbrauen, Insektenforscher mit Angst vor Spinnen und ein Helium inhalierender Alligator, der Helium inhaliert: Zehn wissenschaftliche Studien, die „erst zum Lachen und dann zum Denken anregen“ sollen, sind in den USA mit den sogenannten Ig-Nobelpreisen ausgezeichnet worden, gesprochen „ignoble“, was übersetzt etwa so viel wie „unwürdig“ bedeutet. Doch als unwürdig sehen die Juroren die ausgewählten Forschungsarbeiten nicht. Die bereits zum 30. Mal verliehenen undotierten Auszeichnungen sollen nach Angaben der Veranstalter „das Ungewöhnliche feiern und das Fantasievolle ehren“.

Die Ig-Nobelpreise werden seit 1991 von den „Annals of Improbable Research“ – einer wissenschaftlichen Zeitschrift zur Darstellung kurioser Forschung – verliehen und seit 2012 an der Harvard University überreicht. Wegen der Coronavirus-Pandemie wurde die traditionell schrille Gala in der Nacht zum Freitag diesmal erstmals ausschließlich im Internet gefeiert. Dabei bekamen unter anderem Wissenschaftler aus Kanada und den USA die Auszeichnung in der Kategorie Psychologie für die Entwicklung einer Methode, Narzissten anhand der Untersuchung ihrer Augenbrauen zu identifizieren. Ein Forscher aus den USA erhielt den Preis für die Sammlung von Beweisen dafür, dass Entomologen –Wissenschaftler, die Insekten erforschen – Angst vor Spinnen haben, die keine Insekten sind. „Für diese Menschen machen die zwei Beine mehr einen echten Unterschied“, sagte der Forscher Richard Vetter in seiner Video-Dankesrede, die wie alle anderen auch vorab aufgezeichnet war.

Wissenschaftler aus Österreich, Schweden, Japan, den USA und der Schweiz bekamen eine Ehrung in der Kategorie Akustik dafür, dass sie einen weiblichen chinesischen Alligator dazu bewegen konnten, in einer mit Helium gefüllten luftdichten Kammer zu grölen. Die Resonanzen im Stimmtrakt klängen bei größeren Körpern tiefer, da es mehr Raum für die vibrierende Luft gebe, erklärte einer der beteiligten Forscher in der BBC. „Aber wir wussten nicht, ob Reptilien solche Resonanzen haben.“ Also habe man nach Beweisen gesucht. „Alligatoren klingen komisch, wenn sie einen Party-Ballon einatmen“, fassten die Forscher ihre Studie zusammen. „Herzlichen Glückwunsch“, sagte der Physik-Nobelpreisträger Andre Geim, der ihnen den Preis online überreichte. „Macht es vielleicht noch ein bisschen besser nächstes Mal – vielleicht ohne das Ig.“

In der Kategorie Physik wurden Forscher aus Australien, der Ukraine, Frankreich, Italien, Deutschland, Großbritannien und Südafrika geehrt dafür, dass sie experimentell herausgefunden hatten, was mit einem lebenden Regenwurm passiert, wenn man seinen Körper mit hoher Frequenz vibrieren lässt. Wissenschaftler aus Schottland, Polen, Frankreich, Brasilien, Chile, Kolumbien, Australien und Italien bekamen die Auszeichnung in der Kategorie Wirtschaft für den Versuch, die Beziehung zwischen der Einkommensungerechtigkeit eines Landes und der durchschnittlichen Häufigkeit von Küssen auf den Mund zu quantifizieren. „Menschen aus weniger gerechten Ländern haben berichtet, dass sie ihre Partner öfter küssen“, fassten die Autoren ihre Studie zusammen.

In der Kategorie Medizin ging der Spaßpreis an Forscher aus den Niederlanden und Belgien für die Diagnose eines bislang noch nicht erkannten medizinischen Befunds: Misophonia, der Verzweiflung beim Hören der Kau-Geräusche von anderen Menschen. Wissenschaftler aus den USA und Großbritannien bekamen die Ehrung in der Kategorie Materialwissenschaften für den Nachweis, dass aus menschlichem Kot gemachte Messer nicht gut funktionieren. Ihre Video-Dankesreden hatten sie auf dem Klo sitzend aufgenommen.

In der Coronavirus-Pandemie ließen sich die Organisatoren der Spaßpreise auch einen politischen Seitenhieb nicht entgehen: So wurden die Staatsoberhäupter von Brasilien, Großbritannien, Indien, Mexiko, Belarus, den USA, der Türkei, Russland und Turkmenistan in der Kategorie Medizinische Bildung dafür ausgezeichnet, „dass sie die Coronavirus-Pandemie dafür genutzt haben, der Welt beizubringen, dass Politiker einen unmittelbareren Einfluss auf Leben und Tod haben können als Wissenschaftler und Ärzte“. All diese Staatsoberhäupter haben die Bedeutung der Pandemie heruntergespielt.

Normalerweise verfolgen mehr als 1000 Zuschauer die Gala live in einem Theater der Harvard University. „Wo zur Hölle sind denn alle?“, fragte in diesem Jahr die Wissenschaftlerin Jean Berko Gleason gleich zu Beginn bei ihrer traditionellen Willkommensansprache – allein vor ihrem Computer. Aber auch bei der rund eineinhalbstündigen Online-Preisverleihung, die dieses Mal unter dem Oberthema „Insekten“ stand, flogen Papierflieger, gab es Sketche und bizarre Kurz-Opern.

„Wir hoffen, dass die Pandemie bis nächstes Jahr gezähmt ist und wir unsere 31. Verleihung wieder auf einer Bühne machen können“, sagte Moderator Marc Abrahams, Herausgeber der Zeitschrift „Annals of Improbable Research“, bevor er die Gala wie immer mit seinen traditionellen Abschlussworten beendete: „Wenn Sie dieses Jahr keinen Ig-Nobelpreis gewonnen haben, und besonders dann, wenn Sie einen gewonnen haben: mehr Glück im nächsten Jahr!“ (dpa)