Ein junger Mann sitzt vor einem Bildschirm. Auf dem Kopf hat er eine Kappe, gespickt mit Elektroden. Neben ihm steht ein Professor und erklärt der Berliner Wissenschaftssenatorin Sandra Scheeres (SPD), was gleich passiert. Sie dürfe sich ein beliebiges Wort wünschen. Der Proband würde es allein Kraft seiner Hirnströme auf den Bildschirm schreiben, indem er sich auf bestimmte Symbole konzentriert.

Kurz zuvor hatte Sandra Scheeres dem Professor gratuliert. Denn Klaus-Robert Müller, Informatiker an der Technischen Universität (TU) Berlin, erhält in diesem Jahr den Berliner Wissenschaftspreis des Regierenden Bürgermeisters, dotiert mit 40 000 Euro. Müller gehört weltweit zu den Pionieren des maschinellen Lernens.

Was das ist, erklärte er am Freitag selbst. So wie jedes Kind irgendwann lerne, in einer Menge von Umweltdaten einen Stuhl zu erkennen, so könnten auch Computer lernen, zu „generalisieren“, sagte er. Müller, 1964 in Karlsruhe geboren, studierte Physik und Informatik, forschte in Japan und den USA. Bereits 1995 gehörte er zu den weltweit zehn ersten Forschern, die an einer sogenannten Support-Vektor-Maschine arbeiteten, einer Computertechnologie, die aus Datenmengen wichtige Muster herausfiltert. Sie kann unter anderem Handschriften erkennen, was bereits in der Praxis, bei der Postsortierung eingesetzt wird.

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„Zerebrale Cocktailparty“

Klaus-Robert Müller, seit 2006 Professor an der TU, schaffte es mit seinem Team, das System immer schneller zu machen. Es findet sich inzwischen so gut in der „zerebralen Cocktailparty“ chaotischer Hirnströme zurecht, dass man sogar einen Flipperautomaten damit bedienen kann. Mit Neurologen der Berliner Charité entwickelte Müller das Berlin Brain Computer Interface, eine Schnittstelle zwischen Hirn und Computer.

Wie erstmals eine Patientenstudie in diesem Jahr zeigte, gelingt es drei von vier schwer gelähmten Menschen, allein über die von der Kappe gemessenen Hirnströme mit der Umwelt zu interagieren. Künftig sollen so auch Prothesen oder Rollstühle gesteuert werden können. Aber bis dahin ist es noch weit. Ein im Oktober gegründetes Berlin Big Data Center an der TU soll die Stadt weltweit zur Vorreiterin neuester Technologien machen. Müller ist einer der Leiter.

Senatorin Scheeres hatte sich übrigens am Freitag gewünscht, dass der Proband das Wort „Müller“ schreibt. Am Ende stand „Muller“ auf dem Bildschirm. Das System kennt halt keine Umlaute.