Berlin - Kürzlich nahe Düsseldorf: Eine vermummte Frau betritt eine Bank und ruft „Überfall!“. Keiner reagiert. Sie ruft noch einmal. Doch alle machen weiter wie bisher. Erst als sie eine Waffe zieht, nehmen Bankangestellte und Kunden die Räuberin wahr und die Hände hoch. Eine Frau, die allein eine Bank überfällt – das ist zu ungewöhnlich, um wahr zu sein.

Doch nicht nur Räuberinnen, sondern kriminelle Frauen generell sind eine Rarität. Von den Tatverdächtigen, die die Polizei jedes Jahr ermittelt, ist nur ein Viertel weiblich. Und nicht einmal jedes fünfte Urteil, das die Strafgerichte jährlich in Deutschland verkünden, gilt für eine Frau.  Das spiegelt sich auch in deutschen Gefängnissen wieder. Hier sitzen knapp 3100 Frauen ihre Strafe ab – und 51.000 Männer.

Die Statistik zeigt ganz klar, dass Frauen seltener Straftaten begehen. Und wenn, dann sind diese in den meisten Fällen weniger gravierend. Wie dieser Unterschied entsteht und was an weiblicher Kriminalität anders ist, kann bislang nicht eindeutig erklärt werden. Forscher ermitteln seit Jahrzehnten in dutzende Richtungen, sammeln Theorien und Studienbefunde.

Selbst Erhebungen, die mehrere Perspektiven zusammengenommen haben, scheiterten am Versuch, den großen Unterschied zwischen Männern und Frauen in ihrem kriminellen Verhalten zu erklären. Dabei wären grundlegende Erkenntnisse wichtig. Denn davon hängt eine wirksame Prävention von Straftaten ab sowie die Wiedereingliederung der Frauen, die vor Gericht kommen oder in Haft sitzen.