Nur zur Erinnerung: Die Gamescom ist – an Besucherzahlen gemessen – die größte Computerspielemesse der Welt, 2018 waren 370.000 Besucher dabei. Vom 20. bis 24. August ist das Spektakel wieder in Köln geplant. Und so hatte der Bundesverband der deutschen Games-Branche nach Berlin-Mitte geladen, um bei einem Drei-Gänge-Menü zu verraten, was gegen die Überfüllung getan werden kann, denn der Andrang ist in den vergangenen Jahren immer größer geworden, es gab auch Beschwerden von Besuchern.

Koelnmesse-Chef Gerald Böse räumte offen ein, es sei „sehr, sehr voll“ gewesen im vergangenen Jahr und erklärte viele kleine Maßnahmen, die den Besuch in diesem Jahr angenehmer machen sollen. Die Fläche wird um fünf Prozent erweitert, die beliebtesten Messestände sollen besser über das Gelände verteilt, die Gänge breiter werden. Und auch das Ritual des mehrstündigen Schlangestehens könnte bald in Vergessenheit geraten. Erstmals wird „Digital Queuing“ ausprobiert. Die Spielefans können sich bei einigen Ausstellern dann mit dem Handy für ein kurzes Probespielchen anmelden, statt sich in eine Warteschlange stellen zu müssen.

Ob die Staus zwischen den Hallen und das Gedränge an populären Ständen ganz verschwinden, das muss bezweifelt werden. Aber auch bei Überfüllung war das Publikum in den vergangenen Jahren überraschend geduldig.

Gaming-Community steht im Mittelpunkt bei Gamescom in Köln

Wo die Fans anstehen werden, ist noch nicht sicher. Mit Blizzard Entertainment ist einer der wichtigsten Dauergäste dieses Jahr abgesprungen. Wichtig ist der Hersteller EA, der neben dem Fußball-Gassenhauer „FIFA 20“ auch das neue „Star-Wars“-Spiel „Jedi: Fallen Order“ dabei haben wird. Das Spiel sieht spektakulär aus, und es bedient einen der klassischsten Gamerträume: Ein Jedi muss mit einem Laserschwert gegen zahlreiche Widersacher von der falschen Seite der Macht bestehen. Vielleicht hat EA sogar eine Überraschung dabei. Ein neues „Need for Speed“-Rennspiel soll dieses Jahr erscheinen, gezeigt wurde es aber noch nicht. Wichtig ist auch Nintendo. Der Konzern hat kürzlich die „Switch Lite“ angekündigt, eine kinderfreundlichere, billigere Variante der erfolgreichen Spielekonsole. Sie könnte erstmals live präsentiert werden. Und wichtig wird vielleicht auch das besonders heiß erwartete, düstere Science-Fiction-Rollenspiel „Cyberpunk 2077“, wenn es den Fans denn wirklich gezeigt wird. Es erscheint erst im April des nächsten Jahres.

Im Mittelpunkt stehen auf der Gamescom nicht nur Spiele, sondern auch die Community. Spieleturniere, Verkaufsstände für Fanartikel und Cosplayer mit selbst gebastelten Kostümen nehmen auf der Messe viel Platz ein. Eine komplette Halle wird neu als „event arena“ eingerichtet. Und Indie-Spiele von unabhängigen Kleinstudios bekommen endlich eine größere Würdigung. Sie sind seit Jahren der kreative Taktgeber der Branche, können sich einen Messeauftritt aber oft nicht leisten. Bisher gab es die „Indie Arena Booth“, einen mit bunten Spielen vollgestopften Sammelstand. 2019 richten die Veranstalter ein „indie village“ ein; die Zahl der Unabhängigen soll sich mehr als verdoppeln, und die alte Arena wird in das neue Dorf integriert.

„Gamescom Opening Night Live“

Was aber auch immer wieder auffällt: Die Konsumenten besuchen das Kölner Sommerevent zwar, aber ihre wichtigen neuen Spiele kündigt die Branche traditionell eher woanders an. Das Spielepublikum ist international, der größte Markt sind die USA. Fans schalten deshalb im Juni auf Empfang, wenn in Los Angeles die E3 stattfindet oder im Dezember, wenn der Journalist und Moderator Geoff Keighley die Game-Awards veranstaltet, eine Art Oscar-Verleihung für Spiele.

Damit Spieler in den USA auch mal etwas von der Gamescom mitbekommen, wurde Keighley kurzerhand eingeladen. Er moderiert am Montagabend vor Messebeginn die „Gamescom Opening Night Live“, eine Gala-Show mit exklusiven Neuankündigungen. Die Show wird auf Englisch veranstaltet und soll als Livestream um die Welt gehen. Was zum Motto dieses Jahres passt: „Gemeinsam sind wir Games.“ Die Überlegungen, so attraktiver zu werden, könnten aufgehen. Denn wenn Spielefans etwas lieben, dann sind es Neuankündigungen.