Wie werden die Menschen in Zukunft mit moderner Technik spielen? Das ist immer eine zentrale Frage beim A-Maze-Festival.
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Berlin Das Berliner Games-Festival A-Maze präsentiert Computerspiele als Kunst und hat international einen großen Stellenwert. Eine Bewerbung um Zuschüsse bei der Berliner Senatsverwaltung für Kultur und Europa scheiterte trotzdem im September. Die Zukunft des Festivals stand auf der Kippe. Thorsten S. Wiedemann, Gründer und Leiter von A-Maze, erklärt, wie er das Festival mit einer Kickstarter-Kampagne retten konnte und wie es jetzt weitergeht.

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Zur Person

Thorsten S. Wiedemann  
ist Direktor des A-Maze-Festivals, das im kommenden Jahr im Rahmen der Games Week Berlin vom 22. bis 27. April 2020 stattfindet. Das Festival wurde im vergangenen Jahr bei der Verleihung des Deutschen Computerspielepreises mit dem „Sonderpreis der Jury“ ausgezeichnet. A-Maze sei eine der wichtigen Institutionen der globalen Independent-Szene und mit inspirierenden Talks und Workshops sowie ausgelassenen Partynächten ein Ort der Inspiration, hieß es in der Begründung der Jury.

Herr Wiedemann, Sie sind im April für Ihr Festival-Konzept beim Deutschen Computerspielpreis (DCP) ausgezeichnet worden. Hätten Sie es für möglich gehalten, dass Sie kurz darauf in Berlin so eine Förderpleite erleben?

Ich hatte eher gehofft, dass so ein Preis hilft, das Budget durch weitere Förderung zu erhöhen. Und dass Sponsoren unser Potenzial sehen.  Viele kennen ja nur A-Maze Berlin, aber nicht A-Maze Johannesburg und die vielen Pop-ups, Mini-Festivals, die wir in Ländern veranstalten, die zum Teil noch gar keine funktionierende Szene haben. Sponsoren und Förderer müssten nur erkennen, dass unsere Arbeit die Games-Welt diverser und bunter macht.

Und das lässt sich nicht so leicht finanzieren?

Eine finanzielle Basis ist da. Aber es geht darum, die A-Maze so auf die Beine zu stellen, dass auch Leute davon leben können. Es kann nicht sein, dass man ein Festival organisiert und sich nicht mal in einem Büro treffen kann, weil es keines gibt. Oder dass man niemanden einstellen kann. Wir arbeiten mit Freelancern, und die bekommen einen Lohn, über den man eigentlich gar nicht reden braucht. Es ist viel Liebe und Leidenschaft drin, was ja auch wichtig ist. Aber mit ein bisschen mehr Geld könnte man ganz anders agieren und mit mehr Ruhe vorplanen. Bisher war es immer eine Hauruckgeschichte.

Jetzt hat die A-Maze mit Ihnen mehr als 57.000 Euro auf Kickstarter eingenommen. Wie sicher waren Sie denn, dass so eine Crowdfunding-Kampagne nicht floppt?

Ich habe daran geglaubt, dass unsere Community einen Wert in dem Festival sieht. Wenn es nicht geklappt hätte, dann hätte ich auch überlegt, ob der Wert vielleicht doch nicht so groß ist. Ich hatte ganz kurz Panik, als die Kampagne langsamer wurde. Und dann kam fünf Tage vor Ende noch einmal viel Geld rein, auch in großen Stückelungen. Da haben einige Leute noch einmal gezeigt, dass ihnen das Festival sogar ein paar Tausend Euro wert ist. Das war toll.

Was macht A-Maze denn konkret anders?

Games sind für viele Leute immer noch vor allem ein Produkt, Wirtschaft. Das, was wir mit A-Maze bieten, geht in eine ganz andere Richtung. Zu uns kommt eine freie Szene von Entwicklern, die einen ganz anderen Ansatz hat – die Kunst machen will. Die Entwickler sehen ihr Medium als Kunstform und wollen nicht unbedingt ein Studio gründen oder Geld machen. Andere Künstler haben einen Pinsel in der Hand, die hier haben Game Engines.

Und das war nicht förderungswürdig?

Das Medienboard Berlin-Brandenburg fördert uns und wird uns weiter fördern. Aber um uns auf gesunde Beine zu stellen, haben wir zwei verschiedene Anträge auf Festivalförderung beim Senat gestellt. Bei beiden bin ich durchgefallen, ohne Feedback. Das liegt, glaube ich, daran, dass die Jury keinen Plan von Videospielen oder von uns hat und deswegen eher Literatur-, Musik-, und Tanzfestivals fördert. Die sind toll, aber die A-Maze ist auch ein sichtbares Festival mit einer gewissen Reichweite.

Wie groß ist die Reichweite denn?

Wir haben mehr als 1 000 Leute aus 40 Nationen, die zu diesem Festival kommen und die Games als Kunst und Ausdrucksform sehen.
Die Bundesregierung hat jetzt neue Fördersummen freigegeben, jährlich sollen 50 Millionen Euro ausgeschüttet werden. Wie sehr hilft das den Spielekünstlern? Es ist eine grandiose Sache und ein super Anfang! Ich bin gespannt, welche Inhalte von wem tatsächlich gefördert werden – inwieweit Games, wie man sie bei A-Maze erleben kann, Teil des großen Topfes sein werden. Wir sind auf dem richtigen Weg, auch weil Games zunehmend öffentlich, im kulturellen Kontext diskutiert werden.

Spiele können kommerziell erfolgreich und kulturell interessant sein. Das ist einigen Spielen der A-Maze schon geglückt.  

Gerade Premieren wie „Hotline Miami“, „Proteus“, „Bro Force“, „Gang Beast“, „Genital Jousting“ und auch „Super Hot VR“ zeigen, dass wir ein Sprungbrett sein können. Unsere Auswahl blickt auch  über den Tellerrand hinaus. Wir wollen Neues entdecken und die Games-Welt inspirieren. Wir versuchen auch, Künstler zu zeigen, die kein wirkliches Interesse am Markt haben.