Wissenschaftler beschäftigen sich oft mit den ganz großen Problemen: Bei ihrer Arbeit geht es zum Beispiel um die Ressourcen der Erde, um Gesundheitsprobleme weltweit und die Energie der Zukunft. Von ihren spannenden Überlegungen und Erkenntnissen bekommt man als normaler Bürger meist viel zu wenig mit. Die Aktion Kieznerds bietet die Gelegenheit, mit Wissenschaftlern aus Berlin und Potsdam mal ganz ungezwungen ins Gespräch zu kommen.

Unter dem Motto „Gemeinsam retten wir die Welt!“ laden sie am Sonnabend, 10. November, in ihre Stammkneipen, in Cafés und Restaurants, um dort mit Nachbarn und Gästen über ihre Arbeit zu diskutieren. Auf einer Karte im Internet lässt sich das nächstgelegene Lokal – oder das spannendste Thema – rasch ausfindig machen. In Wedding geht es zum Beispiel um virtuelle Realität, in Zehlendorf um Quantentechnologie und in Neukölln um Pflanzenschutzmittel im Ackerbau.

Reden über das Artensterben

Einer der Forscher, die sich an der Aktion beteiligen, ist der Paläontologe Richard Hofmann, Postdoc am Berliner Museum für Naturkunde. In der Kneipe Wernesgrüner B. in Karlshorst können Interessierte mit ihm ab 14 Uhr über das Thema „Warum gibt es so viele Tierarten und wie wird man sie wieder los?“ reden. Dem 35-Jährigen ist es ein Anliegen, mit Bürgern ins Gespräch zu kommen. Zum einen, weil seine Arbeit schließlich mit öffentlichen Geldern finanziert ist. Aber auch weil er zeigen möchte, wie wichtig Paläontologie, die Wissenschaft von den Lebewesen vergangener Erdzeitalter, auch heute noch ist.

„Wir sind als eine Art Briefmarkensammler verschrien, die einfach nur Fossilien horten“, sagt Hofmann. Von den Erkenntnissen über längst vergangene Zeiten könne man aber auch heute noch profitieren – etwa wenn es um die Einordnug des Artensterbens geht, das zurzeit stattfindet. „Vor 250 Millionen Jahren zum Beispiel hat es schon einmal ein Massensterben auf unserem Planeten gegeben. 90 Prozent aller Tiere verschwanden dabei“, erläutert Hofmann. In der Erdgeschichte sei es das größte Ereignis dieser Art gewesen.

Fossilien sind wichtige Zeugnisse

Was ihn umtreibt: „Die Muster dieses Massensterbens ähneln den heutigen Mustern des Artensterbens.“ So hätten auch damals die für Ökosysteme so wichtigen Korallenriffe zuerst gelitten. Er möchte bei der Veranstaltung am Sonnabend deutlich machen, dass Fossilien wichtige Zeugnisse sind. „Durch sie haben wir ein Archiv, das wir gut lesen sollten“, sagt der Paläontologe.

Der Kneipennachmittag im Wernesgrüner B. verspricht viele neue Erkenntnisse, die übrigen 22 Kieznerds-Veranstaltungen gewiss auch.

Das Programm findet sich im Internet unter: kieznerds.de