Sie ist besonders klein, hat eine verkürzte Schnauze, ihre Zunge hängt heraus und an den Pfoten finden sich zusätzliche Zehen. Dieses außergewöhnliche Aussehen hat die US-amerikanische Katze Lil Bub zu einem Star in den sozialen Medien gemacht. Im Internet hat sie Millionen Fans und Follower.

Auch zwei Berliner Molekularbiologen wurden auf das Tier aufmerksam, das noch dazu unter einer seltenen Knochenkrankheit leidet, bei der die Dichte der Knochen immer weiter zunimmt. Weil sie vermuteten, dass Lil Bubs ungewöhnliche Erscheinung durch ähnliche genetische Veränderungen verursacht sein könnte wie bei den Patientinnen und Patienten sowie Mäusen, mit denen sie sich beschäftigen, beschlossen die Forscher, das Genom des Tieres zu untersuchen. Lil Bubs Besitzer Mike Bridavsky war von der Idee angetan und stellte eine Blutprobe seiner Katze zur Verfügung.

Auch die Internetgemeinde hat geholfen. Für das Projekt kamen binnen 45 Tagen mehr als 7000 Euro zusammen. Jetzt liegen die Ergebnisse auf der Plattform bioRxiv vor. Wie Darío Lupiáñez vom Berliner Institut für Medizinische Systembiologie am Max-Delbrück-Centrum (MDC) für Molekulare Medizin und Daniel Ibrahim vom Berliner Max-Planck-Institut für molekulare Genetik zusammen mit Orsolya Symmons von der University of Pennsylvania im US-amerikanischen Philadelphia berichten, fanden sie bei Lil Bub eine Kombination von zwei seltenen genetischen Veränderungen, die zu der einzigartigen Erscheinung führen.

Ist Lil Bub mit Ernest Hemingways Miezen verwandt?

Eine der Veränderungen führe zu den zusätzlichen Zehen, einem Phänomen, das auch als Polydaktylie bezeichnet wird, berichten die Forscher. Die andere Mutation verursache die Knochenerkrankung Osteopetrose und liefere eine Erklärung für die geringe Größe und die kurze Schnauze.

Von Anfang an informierte das Team in einem eigenen Blog und Sozialen Medien über die Fortschritte der Arbeit. Die Forscher wollen mit ihrem Projekt nicht nur offene Wissenschaft praktizieren, sondern versprechen sich auch von den Erkenntnissen einiges. „Entwicklungsprozesse wie die Knochenbildung sind bei Säugetieren konserviert. Das heißt, sie verlaufen bei allen Arten sehr ähnlich“, sagt der Berliner Molekularbiologe Daniel Ibrahim. Die Mutationen zu identifizieren, die dem Aussehen der Katze zugrunde liegen, könnten helfen, diese seltenen Erkrankungen auch beim Menschen besser zu verstehen, ergänzt er.

Noch dazu deckten die Forscher auf, dass Lil Bub entfernt mit den Katzen des Schriftstellers Ernest Hemingway verwandt sein könnte. Sie waren dafür berühmt, dass sie sechs Zehen an ihren Vorderpfoten hatten. Heute leben etwa 50 Nachkommen dieser Katzen im Hemingway-Museum in Key West, Florida.

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