Frankfurt/Main - Viele Verbraucher möchten auch im Urlaub nicht auf ihre Lieblingsserie oder Sportsendungen verzichten. Wer auch im Ausland per Internet auf Mediatheken und Streaming-Dienste zugreifen möchte, muss jedoch mitunter Umwege in Kauf nehmen.

Warum kann ich im Ausland auf bestimmte Inhalte nicht zugreifen?

Viele Anbieter blockieren im Ausland den Zugriff auf bestimmte Inhalte, auch Geoblocking genannt. Das liegt daran, dass sie dort nicht die Urheberrechte an den Sendungen haben. So kann es passieren, dass eine US-Serie in Deutschland bei einem Anbieter verfügbar ist, in Frankreich aber bei einem anderen.

Wie ist die Situation innerhalb der EU?

Wer einen bezahlpflichtigen Account bei einem Streaming-Anbieter wie Netflix, Sky oder Amazon Prime nutzt, dem springt die Europäische Union bei. Denn wenn diese Nutzer im EU-Ausland auf ihren Dienst zugreifen, müssen sie dort seit April 2018 genau die gleichen Inhalte vorfinden wie im heimischen Wohnzimmer in Deutschland. Wie Untersuchungen der Verbraucherzentrale Rheinland-Pfalz zeigen, funktioniert das in der Praxis aber nicht immer. Der Anspruch ist zudem auf „vorübergehende Auslandsaufenthalte“ beschränkt. Wer also dauerhaft ins Ausland zieht, verliert den Zugang zu den deutschen Inhalten. Was vorübergehend heißt, hat der Gesetzgeber offengelassen, sodass die Streaming-Anbieter eigene Regelungen finden müssen. Bei Sky sind es beispielsweise 37 Tage.

Wie ist die Situation bei anderen Anbietern, sowie außerhalb der EU?

Für rein werbefinanzierte sowie öffentlich-rechtliche Mediatheken hat die EU das Geoblocking nicht eingeschränkt. Wer ins EU-Ausland reist und ARD oder ZDF sehen möchte, wird deshalb beispielsweise bei den meisten Sportübertragungen nur einen schwarzen Bildschirm sehen. Und auch wer für seinen Account bezahlt, hat keinen Zugriff mehr auf die deutschen Inhalte, wenn er in ein Land außerhalb der EU wie beispielsweise die Schweiz oder die Türkei reist. Wer trotzdem nicht auf seine Lieblingsserie verzichten möchte, muss sich die Videos entweder vor der Reise herunterladen, oder sich anderer Tricks bedienen.

Wie kann ich trotz Geoblocking auf meine Serie zugreifen?

Das Zauberwort heißt VPN, was für „virtuelles privates Netzwerk“ steht. Es handelt sich gewissermaßen um einen Tunnel, der dem Streaming-Anbieter vorgaukelt, dass sich der Nutzer in Deutschland aufhält. Dafür müssen sich Nutzer mit einem Extra-Dienst verbinden, über dessen Server die Daten gesendet werden. Mobilnutzer können sich diese Dienste als App herunterladen, Laptop-Nutzer als Erweiterung für den Internet-Browser. Der Vorteil dabei ist, dass diese Verbindungen häufig verschlüsselt sind und die Anonymität der Surfer steigt. Der Nachteil ist, dass viele dieser Dienste kostenpflichtig sind. Zwar existiert meist neben der Bezahlversion auch ein kostenloses Angebot - das ist aber oft mit Einschränkungen verbunden, etwa bei der Geschwindigkeit oder der Datenmenge. Neben VPN gibt es noch Proxy-Server, die ähnlich wie VPN funktionieren, aber die Identität des Nutzers nicht verschleiern. André Reinhardt vom Onlineportal Teltarif empfiehlt deshalb bevorzugt VPN-Verbindungen. Wer die Dienste erst einmal testen möchte oder nur kurze Zeit braucht, sollte sich nach kostenlosen Probeangeboten umsehen. Ebensolche Probeangebote gibt es auch für eigentlich kostenpflichtige Apps, über die normales deutsches Fernsehen gestreamt werden kann.

Ist das legal?

Viele Streaming-Anbieter untersagen den VPN-Zugriff in ihren Allgemeinen Geschäftsbedingungen. Wer erwischt wird, riskiert deshalb die Sperrung seines Nutzerkontos, was in der Realität allerdings so gut wie nicht vorkommt. Stattdessen investieren einige Streaming-Dienste in Abwehrmaßnahmen, die VPN-Anfragen erkennen und blockieren. Die Streaming-Dienste und die Anbieter der Verschleierungssoftware liefern sich somit ein technologisches Wettrennen. Für die Nutzer bedeutet das, dass sie trotz VPN manchmal vom Streaming ausgeschlossen werden, manchmal aber durchkommen. Es empfiehlt sich, verschiedene Dienste auszuprobieren. (afp)