Gerechtigkeits-Studie: Viele Kinder halten die Welt für unfair

Kinder empfinden viele Dinge als ungerecht. „Das ist voll unfair“ hören Eltern, wenn der Sprössling ins Bett soll, der aber lieber noch fernsehen möchte. Unfair ist auch die Lehrerin, die die Mathearbeit mit einer Vier bewertet hat. Oder die Eltern, die nicht genug Taschengeld springen lassen.

Doch Kinder bewerten noch ganz andere Dinge als unfair – die Gesellschaft zum Beispiel. Gerade einmal jedes zweite Kind findet, dass es in Deutschland gerecht zugeht. Vor allem den Umgang mit armen Menschen empfindet die überwiegende Mehrzahl der Kinder als ungerecht. Das geht aus einer am Donnerstag in Berlin vorgestellten Studie des Kinderhilfswerks World Vision hervor.

Die Kindheitsforscherin Sabine Andresen und der Sozialwissenschaftler Klaus Hurrelmann fragten dafür 2500 Kinder im Alter zwischen sechs und elf Jahren nach ihrem Wohlbefinden und ihrer Lebenssituation. Im Mittelpunkt stand das Thema Gerechtigkeit.

Die Studie macht klar, dass Kinder Gerechtigkeit eben nicht nur in Bezug auf Taschengeld, Süßigkeiten oder Hausaufgaben beurteilen können. Die Wissenschaftler bescheinigen ihnen ein hohes Gerechtigkeitsempfinden – und zwar keineswegs nur auf sich selbst bezogen.

Auf die Frage, was sie unter Gerechtigkeit verstehen, antworteten sie etwa, „dass jeder gleich behandelt wird und jeder die gleichen Möglichkeiten hat“ und „dass man miteinander teilt und nicht jemanden einfach stehen lässt“. Ungleichheit ist also aus Kindersicht ungerecht. Das empfinden besonders Kinder aus sozial schwachen Familien so. Zwei Drittel dieser Kinder finden Deutschland ungerecht.

Armut ist auch der Hauptgrund dafür, dass sich Kinder selbst benachteiligt fühlen. Sie sind mit ihrem Leben weniger zufrieden, haben weniger positive Erwartungen an die Zukunft und fühlen sich in ihrer Meinung weniger wertgeschätzt und ernst genommen als ihre Altersgenossen aus höheren sozialen Schichten.

Kinder aus ärmeren Familien dürfen auch seltener entscheiden, mit welchen Freunden sie sich treffen und was sie in ihrer Freizeit unternehmen. Für die Zufriedenheit von Kindern ist es wichtig, dass sie sich gerecht behandelt fühlen – dafür müssen sie auch mitbestimmen dürfen. Es muss ja nicht immer um einen Film im späten Abendprogramm gehen.