Manche mögen es scharf, andere eher mild gewürzt. Bei dieser Geschmacksvorliebe spielen kulturelle und genetische Faktoren eine Rolle. Es besteht aber auch ein Zusammenhang mit bestimmten Persönlichkeitsmerkmalen, bestätigen jetzt amerikanische Forscher. So zeigen Menschen mit einem größeren Drang nach Abwechslung und Abenteuer eher eine Vorliebe für stark gewürzte Speisen als andere, berichten die Wissenschaftler im Fachblatt „Food Quality and Preference“. Dieser Zusammenhang erwies sich als unabhängig von einer individuell unterschiedlichen Schmerzempfindlichkeit gegenüber dem Chili-Inhaltsstoff Capsaicin.

„Unsere Ergebnisse unterstützen die Hypothese, dass Unterschiede in der Persönlichkeit zu unterschiedlichen Vorlieben für gewürzte Speisen führen können“, schreiben Nadia Byrnes und John Hayes von der Pennsylvania State University. Für ihre Studie wählten sie 97 Männer und Frauen im Alter zwischen 18 und 45 Jahren aus, die über ihre Essgewohnheiten Auskunft gaben. Von besonderem Interesse dabei war, ob und wie oft sie scharf gewürzte Mahlzeiten einnahmen. Außerdem kostete und beurteilte jeder Proband eine Capsaicin-Lösung, die von den meisten Menschen als scharf bis sehr scharf eingestuft wurde. Capsaicin ist für den scharfen Geschmack von Paprika-, Peperoni- und Chilischoten verantwortlich und löst im Mund einen Hitze- und Schmerzreiz aus. Per Online-Fragebogen erhielten die Forscher zusätzliche Angaben der Probanden, die Rückschlüsse auf Persönlichkeitsmerkmale erlaubten. Dabei ging es zum einen um das „Sensation Seeking“, also das Bedürfnis nach Abwechslung, Risiko und wilden Partys, sowie um die eigene Körperwahrnehmung und das Verhältnis zu Belohnung und Strafe.

Zunächst stellten die Forscher fest, dass die Vorliebe für besonders scharfe Gewürze nicht einfach dadurch zu erklären ist, dass manche Menschen aus biologischen Gründen unempfindlicher gegenüber der Capsaicin-Schärfe sind. Es war auch nicht so, dass der häufige Verzehr stark gewürzter Speisen durch einen Gewöhnungseffekt die Empfindlichkeit der Geschmackssinneszellen verringert hätte. Vielmehr bevorzugten besonders abenteuerlustige Testpersonen eindeutig eher scharfe Speisen als mehr auf Sicherheit bedachte Menschen. Die anderen getesteten Persönlichkeitsmerkmale lieferten keinen vergleichbar starken Zusammenhang. Um die Art der nachgewiesenen Beziehung zwischen „Sensation Seeking“ und scharfen Gewürzen genauer zu charakterisieren, so die Forscher, seien weitere, andere Arten von Studien nötig.