Ein schnelles Auto oder eine teure Uhr dürften wohl die wenigsten Orang-Utan-Männer besitzen. Das müssen sie aber auch nicht. Denn in ihren Kreisen ist eine ganz andere Art von Statussymbol gefragt: Wer das andere Geschlecht und mögliche Rivalen beeindrucken will, braucht ein Gesicht mit ausgeprägten Backenwülsten. Ein derart exzentrischer Schmuck ist natürlich Geschmackssache. Bei anderen Arten unterstreichen die Männchen ihre Qualitäten lieber mit bunten Farben oder auffälligen Waffen. Das Prinzip aber ist immer das gleiche: Die Tiere wollen Macht ausstrahlen und zeigen, was sie zu bieten haben. Mitunter ist das eine erfolgversprechende Strategie. Es kann aber auch nach hinten losgehen.

Für männliche Orang-Utans scheint sich die Angeberei allerdings zu lohnen, wie eine Studie im Tanjung-Puting-Nationalpark in Indonesien zeigt. Ein Team um Graham Banes und Linda Vigilant vom Max-Planck-Institut für Evolutionäre Anthropologie in Leipzig hat dort Kotproben von 39 der einzelgängerischen Menschenaffen gesammelt und genetisch analysiert. Darin fand sich das Erbgut von immerhin zwölf potenziellen Vätern. Doch zehn von 14 Jungtieren, die innerhalb von mehr als zehn Jahren geboren wurden, erwiesen sich als Söhne und Töchter des dominanten Männchens Kusasi. Und der hatte wohl zumindest einen Teil seines Erfolges seinen Backenwülsten zu verdanken, die auf Weibchen besonders attraktiv zu wirken scheinen.

Schutz vor kannibalischen Artgenossen und anderen Fressfeinden

Wenn es nur um Sex-Appeal ginge, könnte die tierische Männerwelt ihre Statussymbole nach der Paarung getrost wieder ablegen. Doch in einigen Fällen denken die Herren gar nicht daran. Die Gründe dafür haben Ulrika Candolin und Iina Tukiainen von der Universität in Helsinki bei männlichen Stichlingen untersucht. Sie unterstreichen ihre Qualitäten vor allem mit einem leuchtend roten Bauch. Und zwar nicht nur, während sie ein Territorium etablieren, ein Nest bauen und um Partnerinnen werben. Wenn die Weibchen ihre Eier längst abgelegt und sich wieder aus dem Staub gemacht haben, erröten die Männchen sogar noch intensiver.

Die Forscherinnen sehen darin ein Signal für die Verteidigungsbereitschaft der werdenden Väter. Sie haben schließlich die Aufgabe, ihren Nachwuchs vor kannibalischen Artgenossen und anderen Feinden zu schützen. Dabei kann ein demonstrativ zur Schau getragenes Warn-Rot mögliche Angreifer vielleicht so einschüchtern, dass sie es gar nicht erst auf einen Kampf ankommen lassen.

Wer sich in leuchtende Farben hüllt, zieht allerdings auch leichter unerwünschte Aufmerksamkeit auf sich. Wie gefährlich das ist, haben Kate Marshall von der University of Cambridge und ihre Kollegen bei Kykladen-Mauereidechsen auf den griechischen Inseln Skopelos und Syros analysiert. Um sich vor hungrigen Vögeln zu schützen, hüllen sich beide Geschlechter dieser kleinen Reptilien meist in unauffällige Braun- und Grautöne. Bei den Männchen kommt zur Paarungszeit allerdings ein leuchtendes Grün dazu.

Dieses unterschiedliche Design haben die Forscher auf Tonmodelle übertragen und dabei so lange getüftelt, bis die Farben für Vogelaugen nicht mehr vom Original zu unterscheiden waren. Insgesamt 600 dieser künstlichen Eidechsen haben sie dann auf den beiden Inseln verteilt. Und tatsächlich wurden die grün gefärbten Exemplare deutlich häufiger angegriffen. „Die attackierten Modelle zeigten Schnabelspuren vor allem um den Kopf herum, manche waren sogar geköpft“, berichtet Kate Marshall. Um mehr Erfolg beim anderen Geschlecht zu haben, gehen die männlichen Eidechsen also offenbar ein höheres Risiko ein.

Statussymbole kosten Energie

Einen solchen Trend verzeichnen Biologen auch bei etlichen anderen Arten. Und nicht immer geht die Gefahr dabei von lauernden Feinden aus. So mancher tierische Angeber hat sich vielleicht auch einfach übernommen. Schließlich kosten Statussymbole jede Menge Energie, die dann womöglich an anderer Stelle fehlt. Vor allem in harten Zeiten kann das den Unterschied zwischen Leben und Tod ausmachen, haben Fhionna Moore von der University of Dundee in Großbritannien und ihre Kollegen bei Kohlmeisen in Lettland beobachtet.

Die Weibchen dieser Vogelart achten bei der Partnerwahl auf verschiedene Farbsignale im Gefieder der Männchen. Ein möglichst großer, dunkler Streifen auf der Brust ist zum Beispiel ein Zeichen für die Dominanz seines Trägers und kommt beim anderen Geschlecht entsprechend gut an. Manchmal aber gibt es Wichtigeres als Sex-Appeal, zeigen die Untersuchungen der Forscher. So mussten die Meisen in der lettischen Stadt Daugavpils im Dezember 2009 mit einem ungewöhnlich harten Wintereinbruch fertig werden. Den überlebten die Männchen mit bescheideneren Bruststreifen deutlich besser als ihre großspurigen Kollegen.

Doch nicht nur in Extremsituationen kann die Angeberei einen hohen Preis fordern – wie die südamerikanischen Brüllaffen beweisen. Diese eher lethargischen Baumbewohner tragen ihren Namen zu Recht. Die Männchen nutzten vor allem ihre Stimme, um Eindruck zu schinden und sich akustisch größer zu machen, als sie in Wirklichkeit sind. Das gelingt ihnen ziemlich gut: Obwohl sie nur die Statur von kleinen Hunden erreichen, können sie in ähnlich tiefen Frequenzen brüllen wie Tiger. Dabei helfen ihnen ein speziell angepasster Kehlkopf und ein sehr großes Zungenbein, die ihrer Stimme mehr Resonanz verleihen.

Konkurrenzkampf mit Gesangswettbewerb

Allerdings hat nicht jeder Kandidat bei diesem akustischen Kräftemessen die gleichen Chancen, denn einige Arten verfügen über leistungsfähigere Stimmapparate als andere. Dafür müssen sie aber an anderer Stelle Abstriche machen, haben Jacob Dunn von der University of Cambridge und seine Kollegen bei entsprechenden Vergleichen herausgefunden. Offenbar gilt bei Brüllaffen die Devise: Je dicker der Hals, umso kleiner die Hoden.

Die stimmgewaltigsten Organe haben demnach Arten wie der Rote Brüllaffe, bei denen ein einzelnes Männchen einen ganzen Harem für sich allein beansprucht. In diesen Fällen geht es schließlich darum, sich in Gesangswettbewerben mit Rivalen durchzusetzen. „Möglicherweise kostet der mächtige Stimmapparat dann allerdings so viel Energie, dass sich die Tiere nicht noch weitere größere Investitionen leisten können“, erklärt Jacob Dunn. Oder das akustische Eindruck-Schinden ist so effektiv, dass die Stimme allein schon den Fortpflanzungserfolg garantiert. Jedenfalls fallen diese Arten durch vergleichsweise kleine Hoden auf.

Ganz anders ist die Situation bei Arten, die es mit Konkurrenz aus der eigenen Gruppe zu tun haben. Bei den Schwarzen Brüllaffen zum Beispiel paaren sich die Weibchen mit mehreren Männchen. Beste Chancen auf die Vaterschaft haben die Bewerber, die besonders viele Spermien produzieren – und entsprechend große Hoden besitzen. Dafür haben diese Affen dann aber nicht ganz so eindrucksvolle Stimmen. „Bei der Fortpflanzung kann man eben nicht alles haben“, sagt Jacob Dunn. Gleichzeitig in Statussymbole und sexuelle Potenz zu investieren, ist offenbar schwierig.