Berlin - Der Online-Videodienst Netflix ist zum Jahresende dank Serienhits wie „The Queen's Gambit“, „Bridgerton“ und „The Crown“ trotz eines verschärften Konkurrenzkampfs stark gewachsen. In den drei Monaten bis Ende Dezember stieg die Zahl der zahlenden Abonnenten um 8,5 Millionen auf knapp 204 Millionen, wie Netflix am Dienstag nach US-Börsenschluss mitteilte. Damit wurde erstmals die Marke von 200 Millionen Nutzern geknackt. Die Zahlen übertrafen die eigene Prognose und die Erwartungen der Analysten deutlich. Die Aktie reagierte nachbörslich mit einem Kurssprung um 13 Prozent.

Die Erlöse legten im Jahresvergleich um mehr als 20 Prozent auf 6,6 Milliarden Dollar zu. Der Gewinn fiel indes mit 542 Millionen Dollar (447 Mio Euro) etwas geringer aus als vor einem Jahr. Netflix stemmt sich mit hohen Investitionen gegen finanzstarke Wettbewerber, die dem Streaming-Marktführer mit neueren Video-Services Kunden abjagen wollen. Disney+ etwa verzeichnet sehr starkes Wachstum, aber auch andere Dienste wie HBO Max oder Peacock setzen Netflix neben den etablierteren Rivalen wie Amazon Prime oder Hulu unter Druck. Zugute kommt ihnen allen der Streaming-Boom durch die Corona-Krise.

Auch wenn es im Brief an die Aktionäre hieß, 2020 sei ein „unglaublich schwieriges Jahr“ gewesen, zählte Netflix zweifelsohne zu den großen Gewinnern. Dass Kinos wegen der Pandemie geschlossen blieben und viele Menschen zu Hause festsaßen, bescherte dem Unternehmen einen enormen Kundenzuwachs. Insgesamt gewann Netflix – auch dank des Hypes um die Serie „Tiger King“ – den Rekordwert von 37 Millionen neuen Abos hinzu. Netflix sei „zutiefst dankbar“ dafür, seinen Nutzern in diesen herausfordernden Zeiten weltweit einen Ort der „Zuflucht, Verbindung und Freude“ anbieten zu können, schrieb das Unternehmen in einer Mitteilung an die Investoren.

An der Börse hat das Unternehmen aus dem kalifornischen Los Gatos ebenfalls einen guten Stand, die Aktie hat im vergangenen Jahr um rund 67 Prozent zugelegt. Weiteren Auftrieb gab nach Börsenschluss die im Geschäftsbericht enthaltene Ankündigung des Managements, erstmals seit 2011 wieder Aktienrückkäufe zur Kurspflege in Erwägung zu ziehen. Der Ausblick auf das laufende erste Quartal fiel derweil relativ verhalten aus, Netflix stellt einen Zuwachs um sechs Millionen auf knapp 210 Millionen Nutzer in Aussicht. Die meisten Analysten hatten hier mit einer höheren Prognose gerechnet.

In der vergangenen Woche hatte Netflix auch angekündigt, die Preise in Deutschland zu erhöhen. Die Änderung trat am Donnerstag in Kraft. Allerdings zunächst nur für Neukunden. Für betroffene Bestandskunden wird der neue Tarif im Laufe der nächsten Monate eingeführt, sie werden laut Netflix mindestens 30 Tage vor Inkrafttreten einer Änderung benachrichtigt.

Es geht dabei allerdings nicht um den Basistarif, der auch weiterhin 7,99 Euro im Monat betragen wird. Der Standardtarif (Empfang auf zwei Geräten gleichzeitig) kostet künftig 12,99 Euro im Monat und damit einen Euro mehr. Der Premiumtarif (Empfang auf vier Geräten) wird in Zukunft 17,99 Euro statt 15,99 Euro kosten.