In einem schmucklosen Zweckbau in Lima residiert ein ganzer Zoo aus Gold. Das Goldmuseum der peruanischen Hauptstadt präsentiert nicht nur filigrane Ketten, aufwendig verzierte Masken oder zeremonielle Messer mit Göttergestalten als Griff. In den Vitrinen steht auch die in Metall gebannte Natur des Landes: Detailreich gearbeitete Figuren von Vögeln und Katzen, Eidechsen und Wieseln mit Türkisaugen und Platinzähnen. Die realen Vorbilder dieser jahrhundertealten Kunstwerke aber drohen inzwischen zu verschwinden. Denn das Gold aus den Anden setzt der Tierwelt Südamerikas heute kein schimmerndes Denkmal mehr. Es vernichtet ihren Lebensraum – mit fatalen Folgen für Mensch und Natur.

„Der massiv gestiegene Goldpreis hinterlässt im peruanischen Regenwald immer deutlichere Spuren“, berichtet Christof Schenck von der Zoologischen Gesellschaft Frankfurt am Main (ZGF). Denn wer sich von Hitze und Krankheiten, Moskitos und Parasiten nicht abschrecken lässt, kann dort durchaus lukrative Schätze finden. Die Urwaldflüsse haben Goldstaub aus den Anden mitgebracht und ihn mit Sand vermischt im Tiefland wieder abgeladen – eine glitzernde Verheißung, die immer mehr Abenteurer und Verzweifelte anlockt. Allein in der Region Madre de Dios im Südosten des Landes sollen rund 30 000 Goldwäscher unterwegs sein, die im Jahr zwischen 16 und 18 Tonnen des wertvollen Metalls gewinnen. „Arme Bauern aus dem Hochland kommen ebenso wie Arbeitssuchende aus den Küstenorten“, sagt Schenck.

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