Das Foucaultsche Pendel kennt man eigentlich vor allem als Titel eines Romans von Umberto Eco. Er bezieht sich auf einen Versuch, den der französische Physiker Léon Foucault 1851 unternahm, um nachzuweisen, dass die Erde sich dreht. Foucault war Franzose. Er wurde am 18. September 1819 als Sohn eines Verlegers historischer Werke in Paris geboren, also vor genau 194 Jahren. Sein Start ins Leben wirkte nicht gerade ermutigend. Léon war recht gebrechlich, er hatte ein kurz- und ein weitsichtiges Auge, und er wirkte gehemmt. Seine Lehrer beschrieben ihn als faul und uninteressiert. Die Mutter nahm ihn aus der Schule und ließ ihn vom Hauslehrer unterrichteten. Später begann er Medizin zu studieren, um Chirurg zu werden. Doch beim Anblick von Blut fiel er in Ohnmacht. Er beendete das Studium und entdeckte schließlich seine wahre Leidenschaft: die Physik, die er sich als Autodidakt aneignete.

Schon als Teenager hatte er Maschinen geliebt und selbst welche konstruiert. Als Physiker beschäftigte er sich mit der elektrischen Bogenlampe, einer damals hochmodernen Lichtquelle, und dem Fotografieren durch ein Mikroskop. Er entwickelte eine Methode, Lichtgeschwindigkeit sehr genau zu messen, baute ein leistungsfähiges Spiegelteleskop und erfand auch eine Schreibmaschine.

Wie sich die Richtung des Pendels ändert

Berühmt wurde sein Name aber vor allem wegen des Versuches, den Google in seinem Doodle zeigt, der Animation auf der Startseite. Ein Pendel schwingt langsam über einen Fußboden mit bunten Ornamenten. Er erinnert an den Boden des Pariser Panthéons, wo man noch heute das Foucaultsche Pendel sehen kann. Dabei hatte er den Versuch zunächst im Keller seines Hauses unternommen. Er hängte ein zwei Meter langes Pendel an die Decke, brachte es in Bewegung und beobachtete, wie es im Verlauf der Zeit seine Richtung änderte. Da eine äußere Kraft auszuschließen war, konnte dies nur bedeuten, dass nicht das Pendel seine Richtung änderte, sondern der Boden unter ihm, weil die Erde sich drehte.

Am 3. Februar 1851 führte Foucault seinen Versuch öffentlich vor: in der Pariser Sternwarte, mit einem zwölf Meter langen Pendel. Später sogar mit einem 67 Meter langen Pendel und einem 28 Kilogramm schweren Gewicht am Ende. Weil es dazu einen sehr hohen Raum brauchte, fand der Versuch im Pariser Panthéon statt. Am unteren Ende des Pendelkörpers befand sich eine Spitze, die mit jeder Schwingung eine Spur in den Sandboden zog. Daraus entstand ein sich verschiebendes Muster, eine sogenannte Rosettenbahn, die die Erdrotation belegte – eine Sensation nicht nur für das Pariser Publikum. Später wurde der Versuch viele Male wiederholt, unter anderem im Kölner Dom.

Jean Bernard Léon Foucault, wie er eigentlich hieß, wurde nur 48 Jahre alt. Er starb am 11. Februar 1868. Schon im Oktober 1867 hatte er Taubheit in den Händen gefühlt. Am Ende war er fast blind und stumm. Denn er litt unter Aphasie, einer Störung, die durch eine Hirnschädigung entsteht. Lange nahm man an, dass es eine Folge von Quecksilber war, mit dem Foucault sein Leben lang experimentiert hatte. Vielleicht aber spielten auch erbliche Faktoren eine Rolle. Denn auch sein Vater war früh gestorben.

Nach Foucault wurde unter anderem ein französisches U-Boot im Ersten Weltkrieg benannt. An der großen Plattform des Pariser Eiffelturms ist bis heute sein Name verewigt, neben 71 anderen berühmten Franzosen. Sein Grab liegt auf dem Pariser Friedhof Montmartre.