Der erste Satz des Romans „Ulysses“ von James Joyce ist eigentlich Weltliteratur. Doch was Google Translate in der deutschen Übersetzung daraus macht, hat mit Literatur nicht mehr viel gemein und kommt einer Verhunzung der deutschen Sprache gleich. „Herrlich, plump Buck Mulligan kam aus dem Treppenhaus, Mit einer Schüssel Schaum, auf dem ein Spiegel und ein Rasiermesser lag Gekreuzt.“ Eigentlich müsste der Satz heißen: „Stattlich und feist erschien Buck Mulligan am Treppenaustritt, ein Seifenbecken in Händen, auf dem gekreuzt ein Spiegel und ein Rasiermesser lagen.“

Zugegeben: Joyces 987 Seiten umfassendes Monumentalwerk ist auch für menschliche Übersetzer keine leichte Kost. In der Joyce-Rezeption gibt es Streit, ob man lautmalerische Tendenzen etwa bei dem Satz „Pigeons roocoocooed“ mit „Tauben giiiirrrrten“ oder „wo Tauben ruckedieguh machten“ übersetzt. Trotzdem ist die Unbrauchbarkeit der maschinellen Übersetzung offenkundig. Auch der Romanbeginn von Günter Grass’ „Der Butt“ („Ilsebill salzte nach“), der 2007 von der Initiative Deutsche Sprache und der Stiftung Lesen zum schönsten ersten Satz in der deutschsprachigen Literatur gekürt worden ist, ergibt in der englischen Übersetzung bei Google keinen Sinn. Lapidar heißt es: „Ilsebill salty.“ Ilsebill salzig.

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