Berlin - An die Wände werden Porträt-Fotos von Frauen projiziert, die erfolgreich ein Unternehmen gegründet haben, zum Beispiel ein Online-Reisebüro, einen Radiosender oder eine Crowdsourcing-Software-Firma. Die Unternehmerinnen haben etwas geschafft, was noch nicht vielen Frauen gelungen ist, denn  Gründerinnen stellen im deutschsprachigen Raum immer noch eine Minderheit dar.

Lediglich rund 14 Prozent aller Start-ups in Deutschland werden von Frauen gegründet, das belegte der im Oktober des vergangenen Jahres veröffentlichte  Deutsche Start-up-Monitor. Maxi Knust und Val Racheeva haben dreißig dieser Pionierinnen aus Deutschland, Österreich und der Schweiz  interviewt. Daraus entstand ein 240 Seiten umfassendes Buch: „The Female Founders Book. Das Buch für unternehmerische Inspiration.“

Die beiden Herausgeberinnen sind selbst Gründerinnen. „Wir wollten das Buch schaffen, das wir selbst gerne gehabt hätten“, sagt Racheeva bei der Pressekonferenz, die vergangenen Freitag im Rahmen der Buch Release Party in dem Räumen  eines Sportunternehmens am Alexanderplatz stattfand. Eigentlich wollte Brigitte Zypries, die Bundesministerin für Wirtschaft und Energie, an dem Abend auch dabei sein, doch sie musste krankheitsbedingt absagen.

Frauen, Mut und Inspiration

Die 31 Jahre alte Val Racheeva  hat vor dreieinhalb Jahren das Impact Business „Wefound Community“ gegründet, mit dem sie weibliche Entrepreneurs unterstützt. Knust lernte sie im März 2105 bei einem Event in Berlin kennen. Die 29-Jährige hatte damals gerade ihr digitales Magazin „Fempreneur“ gegründet. Es ist das erste deutschsprachige Magazin, das die Geschichten von Gründerinnen erzählt.

Ende 2015 entstand die Idee, gemeinsam ein Buch herauszubringen, um noch mehr Frauen zu unterstützen, ihnen zu helfen, ihre Träumen zu verwirklichen. „Wir leben immer noch in einer sehr männerstarken Welt“, sagt Knust. „Es geht einfach darum, Frauen Mut und Inspiration zu geben, ihrem eigenen Weg zu folgen.“ Die beiden selbstbewussten Unternehmerinnen verwenden gerne englische Begriffe, besonders wenn ihnen etwas wichtig ist. „Mindset“ ist zum Beispiel ein solches Wort, das oft fällt. Die innere Einstellung sei das, was zählt, meinen sie damit, ein Selbstbewusstsein zu entwickeln, vor allem den Mut aufzubringen anzufangen, an sich und das Projekt zu glauben, und dann durchzuhalten.

Manchmal wirkt das alles ein wenig sehr spirituell, wenn sie von ihren Stories und Erkenntnissen erzählen. Im Buch stehen viele Motivationssätze wie: „Ich umarme die Veränderungen in meinem Leben.“ Oder: „Meine Fähigkeit mit Menschen in Kontakt zu treten, wird jeden Tag stärker.“ Online auf ihrer Seite kann man sich ein „Success-Mantra-Poster“ mit solchen Sprüchen bestellen. Im Grunde ist  „The Female Founders Book“ ab  ein inspirierendes  Buch. Es richtet sich vor allem an Gründerinnen, im Prinzip motiviert es aber  geschlechts- und berufsunabhängig jede Person, die etwas erreichen will.

„Wir wollten keinen Lippenstift oder Haarspray“

Das inhaltliche Konzept des Buchs, das sie im Selbstverlag herausgebracht haben, ähnelt dem eines Magazins. Es ist quasi ein ultradickes Interview-Magazin – ein Coffeetable-Book, wie sie selbst sagen. Es macht  Spaß, darin herumzublättern, mal hier und mal dort zu lesen. Zu den Interviews mit den Gründerinnen kommen Beiträge, die konkrete Tipps zum Gründen geben. Es gibt Infografiken, wie man zum Beispiel mit Hilfe der Eisenhower-Matrix seine Aufgaben entsprechend ihrer Dringlichkeit und Wichtigkeit einordnet, und Expertenbeiträge von verschiedenen Mentoren, Beratern und Investoren. In den Texten geht es  um Zweifel, ums Scheitern, dem Nein-Sagen und den Vorurteilen, denen viele Frauen in der von Männern dominierten Investmentwelt begegnen.

Auch der Weg zum fertigen Buch war mit so einigen Herausforderungen verbunden. Einmal wurde den beiden das Handy mitsamt einer Audiodatei gestohlen, so dass sie ein Interview noch mal führen mussten. Eigentlich sollte das  Buch auch schon im September 2016 veröffentlicht werden, insgesamt hat es dann eineinhalb Jahre gedauert. Da die beiden Frauen ihr Buch im Selbstverlag herausgebracht haben, mussten sie alles selbst organisieren und finanzieren. Über Vorbestellungen und Advertorials, also Werbeanzeigen in der Aufmachung eines redaktionellen Beitrags, ging das Finanzierungskonzept dann auf.

Als Werbepartner suchten sie sich Unternehmen aus der Start-up-Branche. „Wir wollten keinen Lippenstift oder Haarspray“, sagt Racheeva, und Knust ergänzt: „Und auch keine Antifaltencreme.“ Stattdessen gibt es zum Beispiel  Werbung für das Gründerstipendium  von Exist, dem Förderprogramm vom Bundesministerium für Wirtschaft und Energie.

„Ich wollte immer alles haben“

Zur  Vorstellung des Buchs  sind einige der Interview-Partnerinnen erschienen. Maxie Matthiessen zum Beispiel, die mit ihrem Unternehmen Menstruationstassen herstellt. Bei jeder gekauften Tasse wird eine weitere an ein Mädchen in Kenia gespendet. Wichtig sei, dass einem sein eigenes Umfeld hilft, sagt sie. Ohne die Unterstützung ihrer Familie hätte sie es vermutlich nicht geschafft. Dann ist da Maru Winnacker, die das Projekt Oona  gegründet hat. Im Online-Shop können Kundinnen Details und Material von Handtaschen  verändern. „Hab Spaß am Verkaufen und sei immer vorbereitet“, sagt sie auf die Frage nach Tipps für Gründerinnen.

Zwischen Bücherstapeln und feiernden Erwachsenen läuft ein kleines Kind herum. Val Racheeva  nimmt es lachend auf den Arm. Als die zwei Herausgeberinnen mit der Idee zu ihrem Buch angefangen hatten, war Racheeva im siebten Monat schwanger, eine halbe Stunde vor dem ersten Interview brachte sie das Kind zur Welt. Ihr Mann hat Vaterschaftsurlaub genommen  und sie selbst konnte durch ihre Selbstständigkeit ihre Arbeitszeiten flexibel planen. „Ich wollte immer alles haben“, sagt sie.