Das Tor führt zum Hotel, wo die gruselige Geschichte ihren Lauf nimmt. 
Foto: Wales Interactive

BerlinWales 1898: Thomas Evans, die Hauptfigur des Spiels, ist auf dem Weg zu seiner Verlobten Elisabeth Williams. Sie wurde von ihrem strengen Vater, der gegen die Verbindung der beiden ist, in das abgelegenes „House of Sker“ an die walisische Küste verbracht. Der Herr Papa hat das alte Anwesen renoviert und ein Hotel daraus gemacht. Es soll mit einem Festakt eröffnet werden.

Als Thomas dort ankommt, ist die Feier vorbei. Es bietet sich ihm ein Bild der Verwüstung: Dekoration und Einrichtung wurden zerlegt, Koffer liegen herum, hier und da sind Blutspuren zu sehen. Kann die Feier derart ausgeartet sein? Wo sind alle hin? Und woher kommt dieser melancholische weibliche Gesang?

Das Anwesen „House of Sker“ gibt es übrigens wirklich im Süden von Wales, es ist vor 900 Jahren von Zisterziensermönchen erbaut worden. Die Legende besagt, dass in diesem alten Gemäuer zwei ruhelose Seelen umherstreifen. Eine davon ist der Kapitän eines verunglückten Schiffs, die andere Elizabeth Williams. 

 Erleichtert stellt Thomas bald fest, dass seine geliebte Elisabeth lebt und sich auf dem Dachboden versteckt. Und zwar vor der Hotelbelegschaft. Oder besser, der ehemaligen. Denn irgendetwas hat die Menschen verändert. Sie laufen wie in Trance umher und haben Lumpen über ihre Köpfe gezogen. Sie scheinen blind zu sein, hören dafür aber umso besser.

Um Elisabeth zu erreichen, muss Thomas das unheimliche Hotel durchqueren und den Gestalten aus dem Weg gehen. Der größte Teil dieses dieses First-Person-Survival-Horror-Spiels besteht folglich aus Schleichpassagen. Die Geschichte konzentriert sich weiter aufs Erkunden und auf waffenlose Überlebensstrategien.

Da Thomas' Gegner geräuschempfindlich sind, sollte jeder Spieler nach Möglichkeit leise vorgehen. Teppiche dämpfen eigene Schritte mehr als Marmorfußboden. Ist ein Gegner in der Nähe, kann Thomas für kurze Zeit die Luft anhalten. Wenn Staub in der Luft ist oder in der Nähe ein Feuer brennt, beginnt Thomas laut zu husten, hält er nicht den Atem an. Waffen hat Thomas abgesehen von einer seltsamen Schallpistole keine. Damit kann er Gegner lediglich ein paar Augenblicke lähmen. 

Die walisische Schauergeschichte wurde stimmig um Elemente der griechischen Mythologie ergänzt. Grafisch ist„ Maid of Sker“ eher durchwachsen. Während die schön unheimliche Beleuchtung gefällt, stören schwammige Grafik und ruckelige Bewegungen. Sehr gelungen ist die Soundkulisse.

Man sollte „Maid of Sker“ unbedingt mit Headset spielen, denn es knarzt, quietscht, rumpelt, wimmert oder stöhnt ganz wunderbar im 3D-Sound. Selbst Genrefans werden manches Mal zusammenzucken. Atmosphärisch ist „Maid of Sker“ so gelungen, dass die technischen Schwächen und das etwas eintönige Gameplay ausgeglichen werden. Der Ansatz europäische Folklore in einem Videospiel zu vermitteln, ist zudem höchst ehrenwert.

„Maid of Sker“. Entwickler: Wales Interactive. Herausgeber: Wales Interactive. Geeignet für PS4, Nintendo Switch, Xbox One, Microsoft Windows