Über digitale Bücher?

Oh ja, in der herkömmlichen Bibliothek können Sie den Zerfall eines Buches über die Zeit beobachten. Es ist vielleicht vergilbt, es gibt Gebrauchsspuren. Das ist eine sehr langsame, sehr menschliche Art des Verschwindens. Sie sehen Ihr altes vergilbtes Schulbuch und denken: Mann, ist das schon lange her, sehe ich auch schon so alt aus? Das Buch altert mit Ihnen. Aber wie ist das bei einem E-Book? Wenn Sie den Datenträger verlieren, auf dem es gespeichert ist, ist alles sofort weg. Auf der Stelle. Wenn Sie die Server ausschalten, ist alles verloren. Eine ganz andere Art des Verschwindens.

Für solche Fälle hat man aber doch Sicherheitskopien, über die man Inhalte wiederherstellen kann.

Ja, aber Sie müssen ständig umkopieren und Formate ändern, damit sie lesbar bleiben. Bei einem einzigen Buch geht das natürlich schnell. Aber wie ist das bei ganzen Rechenzentren, die man ständig umkopieren muss? Das dauert Monate. Irgendwann werden die Datenmengen so groß sein, dass man das alles gar nicht mehr umwälzen kann. Man bräuchte ein Medium, auf das man nur ein einziges Mal speichert und sichert.

Und was für ein Datenträger könnte das sein?

Es gibt Leute die darüber nachdenken, Inhalte genetisch zu speichern – in DNA, die man auf Glas aufbringt. DNA hält sich über Millionen Jahre. Nur ein Gramm davon kann gigantische Datenmengen speichern. Interessant ist, dass hierbei Informationen plötzlich wieder in etwas Lebendiges überführt werden. Das Arbeiten mit Daten ist dabei nicht mehr Sache der Elektrotechnologie, sondern der Mikrobiologie. Man spricht zum Beispiel auch darüber, Daten in Bakterien zu stecken, die Radioaktivität unbeschadet überstehen.

Gruselig

Man kann das weit in die Zukunft spinnen. Irgendwann werden die Menschen die Erde vielleicht verlassen müssen, weil sie nicht mehr bewohnbar ist. Dann werden sie ihre alte Welt wohl nur als große Datensammlung mitnehmen. Mehr können sie nicht tragen.

Das Gespräch führte Alice Ahlers.