Berlin - In Zeiten von Corona sehen viele Berliner ihre eigenen vier Wände überdurchschnittlich häufig – und die Stadt drumherum nur sehr selten. Schön, dass man mit Videospielen die Hauptstadt auch virtuell erkunden kann. Wirklich originalgetreu und aktuell ist dabei zwar nicht jeder Bildschirmausflug, aber wer das Brandenburger Tor und andere Sehenswürdigkeiten mal aus einer etwas anderen Perspektive erkunden möchte, sollte den Controller in die Hand nehmen.

„Microsoft Flight Simulator“

Foto: Imago/Jochen Eckel
Der Flughafen BER soll in Zukunft auch in das Spiel „Microsoft Flight Simulator“ integriert werden.

Authentischer wird es nicht mehr. Im „Microsoft Flight Simulator“ kann man mit großen und kleinen Flugzeugen die Welt erkunden, Berlin inklusive. Das Entwicklerstudio Asobo aus Bordeaux veröffentlichte 2020 über 13 Jahre nach dem letzten Teil einen neuen Flugsimulator für PC, in dem die ganze Welt digitalisiert wurde. Möglich gemacht wurde das durch unzählige Satellitenbilder der Microsoft-Suchmaschine Bing, die eine Künstliche Intelligenz mit den Namen Azure AI in einen virtuellen Globus verwandelte. Mit ein paar wenigen Abstrichen können so bei niedriger Flughöhe sogar Straßen und das eigene Dorf begutachtet werden. In Berlin lassen sich nicht nur bekannte Sehenswürdigkeiten, sondern ebenso Stadtviertel wie Schöneberg und Steglitz wiedererkennen. Zwar wird nicht jedes Haus originalgetreu abgebildet, aber es ist dennoch möglich, mit Google Maps die eigene Adresse im Flight Simulator zu besuchen. Dazu kommen regelmäßige Updates. Im Verlauf des Jahres wird zum Beispiel der Flughafen Berlin Brandenburg (BER) hinzugefügt. Bisher landen und starten die Flieger noch in Tegel. Neben der PC-Version soll im Sommer eine Version für die neuen Xbox-Konsolen Xbox Series X und S landen.

Entwickler: Asobo Studios, geeignet für PC, ab Sommer 2021 Xbox Series S/X, Veröffentlichung: 18. August 2020

„Tony Hawk’s Underground 2“

Foto: Imago/ZumaPress
Der Weltstar Tony Hawk gab dem Spiel seinen Titel und reist bei seiner Welttournee auch nach Berlin.

Per Knopfdruck aufs Brett. Die Underground-Reihe gilt unter Gamern als eines der besten Skateboard-Spiele und verzückte Fans in den 2000er-Jahren. Als Spieler wird man vom titelgebenden Tony Hawk und dem „Jackass“-Mitglied Bam Margera auf eine Skateboard-Welttournee geschickt, die unter anderem auch in Berlin Station macht. Ein detailreiches Stadtporträt sollte man aufgrund der eingeschränkten Hardware nicht erwarten. Die Entwickler ließen sich aber dennoch von einigen Berlin-Highlights inspirieren. Eine zerbombte Kathedrale erinnert an die Kaiser-Wilhelm-Gedächtniskirche, die als Mahnmal für die Schrecken des Zweiten Weltkriegs nicht wiederaufgebaut wurde. Ein Abbild der Neuen Nationalgalerie liegt gleich daneben und in der Ferne überragt der Fernsehturm. Auch das „Aquarium Berlin“ ist in dem Level wiederzufinden, die Gebäudeform von Original und Kopie unterscheiden sich aber erheblich. Zusammengepfercht sind die meisten Gebäude auf einem Skate-Gelände, das dem Alexanderplatz nachempfunden wurde. Irritierend: Die einzigen Menschen in der Stadt sind pixelige Bayern mit Lederhosen und einer Maß Bier in der Hand.

Entwickler: Neversoft, geeignet für: Playstation 2, Xbox, Nintendo GameCube, PC, Veröffentlichung: 4. Oktober 2004

„Need for Speed: ProStreet“ 

Foto:  dpa
Zündende Idee: Mit 24 Raketen im Heck stellt Fritz von Opel in seinem „Rak 2“ am 23. Mai 1928 auf der Berliner Avus mit 230 km/h einen Geschwindigkeitsrekord auf. Er leitete damit eine stürmische Entwicklung des Raketenantriebs ein. Im Spiel „Need for Speed“ ist die Avus auch erwähnt.

In der Rennspielreihe „Need for Speed“, in der man mit hochgerüsteten Boliden den Globus befährt, ging es schon immer schnell zur Sache. Vielleicht auch ein Grund, warum man im Ableger „ProStreet“ auf einer Berlin-Strecke so gut wie nichts von der Stadt sieht. Neben einigen Windrändern und vielen Bäumen lassen nur Straßenschilder darauf schließen, dass man sich in der Hauptstadt befindet. Wer entgegen der Spiellogik langsam fährt, kann eine interessante Entdeckung machen: So basiert die Strecke lose auf der Automobil-Verkehrs- und Übungsstraße (Avus), einem heutigen Teilstück der Autobahn A115 im Berliner Südwesten. Von der Einweihung im Jahr 1921 bis zum April 1998 wurde die Fahrbahn auch gerne für Autorennen genutzt. 1959 gastierte sogar einmal die Formel 1 auf der damals acht Kilometer langen Strecke.

Entwickler: Electronic Arts (EA), geeignet für PC, Wii, Xbox 360, Playstation 2, Playstation 3, Veröffentlichung: 31. Oktober 2007

„All Walls Must Fall“

Als Agent reist man in der Zeit zurück, um einen Anschlag in der Nähe des Fernsehturms zu verhindern.

Video:  Inbetweengames

Es geht in die Zukunft. In einem alternativen Berlin im Jahr 2089 ist der kalte Krieg noch im vollen Gange. Als Agent reist man in der Zeit zurück, um einen Anschlag in der Nähe des Fernsehturms zu verhindern. Informationen zum geplanten Unglück sammeln die Spielerinnen und Spieler vor allem in Techno-Clubs in Ost- und West-Berlin, die nicht von ungefähr an echte Vorbilder wie Watergate oder Tresor erinnern. Gespielt wird aus einer isometrischen Perspektive, man blickt also schräg von oben auf das Spielgeschehen. Kämpfe gegen Wachen finden nach dem Modell der Rundenstrategie statt. Jede Bewegung, jeder Angriff und jedes Nachladen einer Waffe will geplant werden und kostet Zeiteinheiten. Gegner bewegen sich parallel zu jeder Aktion des Spielers. Entwickelt wurde das Spiel von dem Berliner Studio Inbetweengames, deren Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zuvor bei dem ebenfalls in Berlin ansässigen Studio Yager an großen Titeln wie „Spec Ops: The Line“ arbeiteten. An den treibenden Techno-Klängen waren unter anderem The Orion Correlation and Lost & Found und Kuedo beteiligt, die sowohl in der Berliner Club- und Gaming-Szene bekannt sind. Wer also schon fast vergessen hat, wie sich Nachtclubs von innen anhören, kann einen Blick riskieren.

Entwickler: Inbetweengames, geeignet für: Nintendo Switch, PC, Veröffentlichung: 8. August 2017

„Hitman 3“

Foto: IGN
Endlich wieder Party, endlich wieder Techno-Sound: In die Berliner Clubszene geht es bei „Hitman 3“.

Auch in dem aktuellen Actionspiel „Hitman 3“ wird in Berlin getanzt. In der dritten Mission der Kampagne verschlägt es Spielfigur und Auftragskiller Agent 47 in die deutsche Hauptstadt. Im Technoclub Hölle müssen die Spieler zwischen tanzenden Menschen eine Zielperson ausfindig machen und eliminieren. Das Berghain stand für die Gestaltung des Clubs Pate, sonst gibt für Berlin-Kenner nicht viel zu sehen, da sich der Großteil der Mission in Innenräumen abspielt. Unter Kritikern gilt die Berlin-Mission aber als eines der großen Serienhighlights, da man unzählige Möglichkeiten hat, wie man seinen Auftrag angehen kann. Dazu schürt auch hier der Technosoundtrack das Fernweh nach Feiern und guter Laune.

Entwickler: IO Interactive, geeignet für Playstation 5, Xbox Series X/S, PC, Xbox One, Playstation 4, Google Stadia, Veröffentlichung: 20. Januar 2021

„Wolfenstein: The New Order“

Foto: Screenshot
Als Teil des Widerstands kämpft der Spieler gegen monströse Nazi-Schergen und Roboterhunde.

In einer alternativen Berlin-Realität spielt die „Wolfenstein“-Reihe, deren erster Teil schon 1981 erschien. „The New Order“ steht dabei nur stellvertretend für ein Ego-Shooter-Franchise, in dem die Nationalsozialisten den Zweiten Weltkrieg gewonnen haben und die Weltherrschaft beanspruchen. Als Spieler setzt man sich mit dem jüdischstämmigen William Joseph B.J. Blazkowicz als Teil des Widerstands gegen monströse Nazi-Schergen und Roboterhunde zur Wehr. Ein Großteil der Handlung spielt dabei natürlich in Berlin, wo auch Locations wie der Führerbunker eine Rolle spielen. Sogar der Fernsehturm ist in „The New Order“, das im Jahr 1960 spielt, zu sehen, obwohl bis ins Jahr 1969 noch nicht fertiggestellt. Überhaupt bildet „Wolfenstein“ Berlin nie wirklich originalgetreu ab, da man sich bei der Erstellung der Welt an den übrig gebliebenen Nachkriegs-Plänen des Nazi-Architekten Albert Speer orientierte. Der war von Hitler zum Generalbauinspektor für die Reichshauptstadt berufen und mit dem Bau einer Nord-Süd-Achse betraut worden. Die Prachtstraßen sollten in einer gigantischen Halle münden, die als neues Machtzentrum zwischen Großem Stern und Brandenburger Tor thronen sollte.

Entwickler: Machine Games, geeignet für: Playstation 4, Xbox One, PC, Playstation 3, Xbox 360, Veröffentlichung: 20. Mai 2014