Der Exoplanet WASP-189b und sein blauer Mutterstern HD 133112 finden sich im Sternbild Waage.
Foto: Esa

Er ist heißer als ein kleiner Stern und riesiger als der größte Planet unseres Sonnensystems: Mit dem neuen Weltraumteleskop „Cheops“ haben Forscher einen der extremsten bekannten Exoplaneten analysiert. WASP-189b ist mehr als 3200 Grad Celsius heiß und hat mit 220.000 Kilometern den 1,6-fachen Äquatordurchmesser von Jupiter, wie das internationale Team um Monika Lendl von der Universität Genf im Fachblatt „Astronomy & Astrophysics“ schreibt.

Mehr als 320 Lichtjahre entfernt umkreist er im Sternbild Waage den Stern HD 133112 – einen der heißesten bekannten Sterne mit Planetensystem. „Das Spannende an dem Planeten WASP-189b ist, dass es sich um einen Gasriesen handelt, der seinen Mutterstern in weniger als drei Tagen umkreist. Das heißt, er ist ihm 20-mal näher als die Erde der Sonne“, erklärte Lendl.

WASP-189b umrundet seinen Mutterstern in etwa 7,5 Millionen Kilometer Entfernung – die Distanz von der Erde zur Sonne beträgt rund 150 Millionen Kilometer. Weitere Besonderheit von WASP-189b: Seine Umlaufbahn liegt nicht in der Äquatorebene des Sterns – wie etwa bei den Planeten in unserem Sonnensystem – sondern verläuft über seine Pole.

Auf einer Seite ist Tag, auf der anderen Nacht

Zudem hat der Planet eine permanente Tagseite, die ständig dem Licht des Sterns ausgesetzt ist, und eine permanente Nachtseite. Auf der Tagseite herrschen schätzungsweise etwa 3200 Grad Celsius und damit mehr als auf manchen Zwergsternen, die zum Teil deutlich unter 3000 Grad heiß sind. Zum Vergleich: Unsere Sonne hat an ihrer Oberfläche eine Temperatur von fast 6000 Grad. Der Stern HD 133112 ist noch mehr als 2000 Grad heißer und erscheint deshalb nicht gelblich-weiß, sondern blau.

Seit Anfang des Jahres beobachtet das europäische Weltraumteleskop „Cheops“ aus einer Umlaufbahn in 700 Kilometern Höhe Planetensysteme in unserer kosmischen Nachbarschaft. Die nun veröffentlichten Erkenntnisse sind die erste wissenschaftliche Publikation auf Basis seiner Beobachtungen. So maß das Teleskop präzise die Helligkeitsveränderungen, wenn der Planet vor seinem Mutterstern vorbeizog und wenn er hinter seinem Stern verschwand.

„Da der Exoplanet WASP-189b so nahe bei seinem Stern ist, macht dies seine Tagesseite so hell, dass wir das ,fehlende‘ Licht bestimmen können, wenn er hinter dem Stern vorbeizieht“, erläutert Lendl. „Wir haben mehrere solcher Bedeckungen von WASP-189b beobachtet.“

Koautor Willy Benz von der Universität Bern ergänzt: „Um so heiße Sterne herum sind nur eine Handvoll Planeten bekannt, und dieses System ist bei weitem das hellste.“ Bekannt sind derzeit mehr als 4000 Exoplaneten. (dpa/fwt)

Weitere aktuelle Themen