Die Erderwärmung verstärkt Hitzewellen und Regenfälle. Das prognostizieren Klimaforscher schon länger. Nun zeichnet sich ab, dass diese Wetterextreme – zumindest in unseren Breiten – wohl noch extremer werden könnten als gedacht.

Das hängt mit der Arktis zusammen, die sich rascher aufheizt als die übrige Nordhalbkugel. „Die Folgen sind ziemlich beunruhigend“, sagt Dim Coumou vom Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung (PIK) und der Vrije Universiteit Amsterdam. Denn wenn sich Wetterlagen für mehrere Tagen oder Wochen festsetzen, könnten Hitzewellen zu Dürren, Gesundheitsrisiken und Waldbränden führen; anhaltende Regenfälle vermehrt zu Überschwemmungen.

In einer am Montag im Fachmagazin Nature Communications veröffentlichten Übersichtsstudie hat Coumou mit seinen Kollegen das aktuelle Wissen über den Arktis-Faktor zusammengetragen.

Es bleibt länger heiß und trocken

Wie die Forscher zeigen, häufen sich die Belege dafür, dass sich im Sommer durch die rasche Erwärmung der Arktis die Zirkulationsmuster von Luftströmen in 5 bis 10 Kilometern Höhe zeitweilig verändern. Es ist nämlich gerade der Temperaturunterschied zwischen dem Nordpol und dem Äquator, der diese Luftströme, auch Jetstream genannt, in der Atmosphäre antreibt. Sie ziehen in Wellen von West nach Ost über die Nordhalbkugel und transportieren Ketten von Hoch- und Tiefdruckgebieten. Fällt der Temperaturunterschied geringer aus, schwächt sich die Strömung ab, was dazu führen kann, dass das Wetter längere Zeit gleichbleibt.

„Dass die Erderwärmung diese Folgen haben kann, wurde erstmals vor drei Jahren in einer Studie vorgestellt“, berichtet Dim Coumou. Inzwischen zeigten viele Untersuchungen ganz klar, dass sich zum Beispiel die Zugbahnen von Stürmen abschwächen. In der Folge bleibt es dann länger heiß und trocken.

„Wir haben zwar noch keine Gewissheit“

Der aktuelle Sommer sei ein eindrucksvolles Beispiel dafür, wie sich Blockadewetter auf Gesellschaften auswirken kann, sagt der Klimaforscher. Anhaltend heiße und trockene Bedingungen in Westeuropa, Russland und Teilen der USA bedrohten manche Ernteerträge in diesen für die ganze Welt wichtigen Kornkammern.

„Wir haben zwar noch keine Gewissheit“, resümiert Coumou, „doch der Stand der Forschung deutet darauf hin, dass Veränderungen in den Luftströmen zusammen mit anderen Faktoren zu dem Phänomen führen könnten, dass es künftig extremere Extreme gibt.“