86 Prozent der Deutschen hören regelmäßig UKW-Radio. Das Digitalradio DAB+ liegt mit 11 Prozent an zweiter Stelle.
Foto: Jörg Carstensen/dpa

BerlinDie Menschen in Deutschland kaufen immer mehr DAB+-Radiogeräte und verhelfen dem Antennen-Digitalradio damit zu einer höheren Reichweite. Das geht aus dem Digitalisierungsbericht der Medienanstalten hervor, der am Montag in Berlin veröffentlicht wurde. Demnach befinden sich in Autos und Haushalten inzwischen knapp zehn Millionen Radios, die DAB+ empfangen, eine Million mehr als im Vorjahr. Damit kann knapp ein Viertel der Bevölkerung (24,3 Prozent) digital-terrestrische Radioprogramme über DAB+ hören.

Mit der gestiegenen Reichweite und den im Vergleich zu UKW geringeren technischen Übertragungskosten wird DAB+ auch verstärkt für private Radioveranstalter interessant. Im kommenden Monat startet eine zweite bundesweite Digitalradio-Plattform („Bundesmux“), die von dem Konsortium „Antenne Deutschland“ betrieben wird.

Aus dem Digitalisierungsbericht geht hervor, dass die Zahl der UKW-Radios in den deutschen Haushalten auf hohem Niveau leicht sinkt. In 91,2 Prozent der Haushalte steht mindestens noch ein UKW-Radio. Vor diesem Hintergrund rückt eine Abschaltung des analogen UKW-Radios in Deutschland in weite Ferne. In Europa hat sich bislang nur Norwegen komplett vom UKW-Funk verabschiedet. 

Beim Radiohören verwenden derzeit noch rund 86 Prozent der Menschen in Deutschland regelmäßig ein UKW-Radio. Das Digitalradio DAB+ liegt mit 11 Prozent an zweiter Stelle, gefolgt vom Internet-Radio mit 5 Prozent. Die Nutzung des Internet-Radios wird aktuell vor allem durch Smartphones und vernetzte Fernseher vorangetrieben, die auch Radiostreams abspielen können.

Digitalradio: Bayern steht an der Spitze

Das Digitalradio DAB+ ist in den Bundesländern recht unterschiedlich verbreitet. An der Spitze steht Bayern. Hier stieg die Haushaltsdurchdringung von 29,7 auf 31 Prozent. Die größten Zuwachsraten verzeichnete der Digitalbericht für die Region Sachsen/Thüringen/Sachsen-Anhalt, die um 20 Prozent zulegt und fast bayerisches Niveau erreicht (28,9 Prozent). Schlusslicht mit 19,3 Prozent ist die Region Berlin/Brandenburg, die im vergangenen Jahr allerdings überdurchschnittlich stark um 14 Prozent zulegte.

Die künftige Entwicklung des Radiomarktes dürfte vor allem durch den Start der zweiten Digital-Plattform sowie die Digitalradio-Pflicht in neuen Autos ab dem 21. Dezember vorangetrieben werden.

Auf dem neuen „Bundesmux“, der Platz für 16 bundesweit empfangbare Sender bietet, wird Antenne Deutschland selbst sechs Programme anbieten. Die anderen Kanäle wurden an Antenne Bayern/Rock Antenne, RTL (RTL Radio und Toggo Radio von Super RTL) sowie den hessischen Comedy-Sender Joke FM vergeben. Die Energy-Gruppe will auf dem zweiten „Bundesmux“ ein neues Sendeformat entwickeln. Außerdem sind ein Sender für Trucker und Autofahrer („Drivers Classics“) sowie ein Handwerker-Redio geplant.