Hoffnung für Aids-Patienten: Erstmals HIV aus Erbgut entfernt

Erstmalig ist es US-Forschern gelungen, das HI-Virus aus dem Erbgut lebender Tiere zu entfernen. Es betrifft zwar bisher nur Mäuse, aber die Nachricht löst neue Hoffnung aus – bei Forschern, Medizinern und Patienten. Vielleicht verbirgt sich hinter der Studie, über die ein Fachjournal jetzt berichtet hat, der Ansatz für eine neue, wirklich heilsame Therapie für HIV-Infizierte.

Die Aids-Diagnose war lange ein Todesurteil. Man erinnert sich an berühmte Aids-Opfer wie den Sänger Freddy Mercury, den Schauspieler Rock Hudson oder den Tänzer Rudolf Nurejew. Die früheste dokumentierte Infektion mit dem HI-Virus, das die Immunschwächekrankheit Aids auslöst, stammt von 1959 aus dem Kongo. Seitdem starben weltweit 35 Millionen Menschen an den Folgen einer HIV-Infektion. Unzählige Millionen Infizierte hofften und hoffen inständig auf eine Therapie oder gar ein Heilmittel.

Fünf von 13 Mäusen konnten geheilt werden

Seit der Anerkennung der Krankheit Aids durch die US-Bundesbehörde für Seuchenkontrolle und -prävention im Jahre 1981 hat die Forschung viele Fortschritte gemacht. Inzwischen lässt sich der Aids-Erreger mit antiretroviralen Medikamenten gut in Schach halten. Durch die effektivere Behandlung von HIV-Infizierten mit neuen Medikamenten ist Aids seltener geworden – zumindest in Mitteleuropa. Studien haben zudem belegt, dass HIV unter wirksamer Therapie nicht ansteckend ist. Die Mittel müssen allerdings lebenslang genommen werden und können gerade bei langer Einnahmedauer Nebenwirkungen haben. Zu diesen gehören als Folge längerer Anwendung Schäden an Knochenmark und Nerven sowie Entzündungen der Bauchspeicheldrüse.

Eine grundsätzliche Heilung der HIV-Infektion ist bisher nicht möglich. Zwar können die bisherigen Mittel  die Erregerlast bei Patienten unter die Nachweisgrenze senken. Allerdings erreichen sie nicht jene Viren, die inaktiv in Zellen des Körpers ruhen.

Dies soll den US-Forschern nun gelungen sein, und zwar mit einer Kombination von modernen Medikamenten und Gentechnik, wie die Forscher berichten. Mit der sogenannten Genschere Crispr/Cas9 schafften sie es erstmals, den Aids-Erreger HIV aus dem Erbgut zu entfernen – und zwar bei fünf von 13 behandelten Mäusen.

Die Forscher um Kamel Khalili von der Temple University in Pennsylvania und Howard Gendelman von der University of Nebraska gaben den Mäusen zum einen ein Mittel, das die Aktivität der HI-Viren für mehrere Tage verminderte. Es wird „Laser ART“ genannt. Ergänzend wurden mit der Genschere Crispr/Cas9 das Virenerbgut aus der DNA befallener Zellen geschnitten. Mit der erst 2012 entwickelten molekularbiologischen Methode lassen sich Gene gezielt einfügen, entfernen oder ausschalten. Mitentwickelt hatte diese Methode die heute in Berlin wirkende französische Mikrobiologin Emmanuelle Charpentier.

Noch ein langer Weg bis zum Menschen

Bis zu fünf Wochen nach der Kombinations-Behandlung durch die US-Forscher sei das Virus bei fünf der 13 behandelten Mäuse nicht mehr nachweisbar gewesen, heißt es. Mit der Therapie seien somit auch jene Viren erreicht worden, die inaktiv im Erbgut der Körperzellen ruhen.

«Diese Studie markiert einen wichtigen Schritt hin zur Entwicklung eines möglichen Heilmittels für die HIV-Infektion beim Menschen», hieß es in einer Erklärung der Temple University. Die Ergebnisse der Kombi-Therapie seien vielversprechend, es brauche allerdings noch weitere Forschung. «Wir haben jetzt einen klaren Pfad zu Versuchen an Affen und möglicherweise klinischen Studien bei Menschen binnen eines Jahres», sagte Kamel Khalili, einer der beteiligten Forscher.

Es handle sich um eine «sehr wichtige Studie», erklärte auch Ruth Brack-Werner, Virologin am Helmholtz-Zentrum in München, die nicht an der Studie beteiligt war. Im Hinblick auf die Entwicklung eines Heilmittels für Menschen mahnte sie zur Geduld. «Es ist ein Schritt, aber wir sind noch lange nicht da.» Die Zahl der untersuchten Mäuse sei sehr gering. Zunächst müsse die Effizienz des Ansatzes verbessert werden, anschließend seien Tests an weiteren Tierarten nötig. «Indirekt ist es ein Hoffnungsschimmer, direkt anwendbar am Menschen ist es aber noch nicht, da muss noch viel Entwicklungsarbeit geleistet werden.»

Nach Schätzungen des Robert Koch-Instituts (RKI) in Berlin leben rund 86 000 Menschen in Deutschland mit dem HI-Virus. Zunehmend genutzt wird die Möglichkeit, sich als gesunder Mensch mit Medikamenten vor einer HIV-Infektion zu schützen. Vor allem schwule Männer verwenden die HIV-Prophylaxe PrEP (Prä-Expositions-Prophylaxe). Experten hoffen darauf, dass sich dadurch die Zahl der Neuansteckungen deutlich vermindert. (mit dpa)