Berlin - Huawei hat sein neues Harmony-Betriebssystem für Smartphones, Tablets, Computer und Smartwatches auf den Markt gebracht. Der chinesische Technologiekonzern unternimmt damit den ambitionierten Versuch, neben iOS von Apple und Android von Google eine dritte Mobilplattform zu etablieren. Zuletzt war der Softwaregigant Microsoft an dem Versuch gescheitert, mit Windows der dritte maßgebliche Player auf dem Spielfeld zu werden.

„Mit HarmonyOS wollten wir nicht einfach ein weiteres Android oder iOS produzieren“, sagte Chefentwickler Wang Chenglu bei der Online-Präsentation mit Blick auf die Konkurrenzprodukte von Google und Apple. „Unsere besonderen Merkmale sind, was Android und iOS fehlt.“

So würden HarmonyOS-Smartphone-Nutzer beispielsweise in der Lage sein, auf Dateien, Dokumente und andere Inhalte zuzugreifen – von Computern bis hin zu Wearables wie Smartwatches und anderen verknüpften Geräten, sagte Wang. Das System sei auch in der Lage, eine breite Palette von Apps zu akzeptieren, selbst wenn sie nicht speziell für HarmonyOS programmiert worden seien.

Obwohl HarmonyOS vor allem für Smartphones entwickelt wurde, soll das neue Betriebssystem in Deutschland allerdings zunächst nicht auf Mobiltelefonen erscheinen. Es wird nur in den neuen Computeruhren Huawei Watch 3 und Huawei Watch 3 Pro sowie den neuen Premium-Tablets MatePad 11 und MatePad Pro 12.6 zum Einsatz kommen.

Huawei steht wegen des Handelsstreits mit den USA seit 2019 auf einer schwarzen Liste, die US-Regierung wirft dem chinesischen Unternehmen Wirtschaftsspionage vor. US-Firmen ist es deshalb untersagt, Geschäfte mit Huawei zu machen. Aus diesem Grund liefen die auch in Deutschland beliebten Smartphones bislang nur noch mit einer frei erhältlichen Version des Android-Betriebssystems.

Analysten sehen Huawei nichtsdestotrotz am chinesischen Markt weiterhin gut aufgestellt, da es dort einen riesigen Anteil hat und über zahlreiche Apps verfügt, die größtenteils für chinesische Nutzer konzipiert sind. Aber die globalen Aussichten des Unternehmens dürften sich ohne Google, Amazon oder YouTube trüben, sagte die Expertin Elinor Leung von der Investmentgruppe CLSA.

Huawei ist der weltgrößte Anbieter von Telekommunikationsausrüstung und stieg 2003 in das Geschäft mit Mobiltelefonen ein. Es wurde zu einem der drei weltweit führenden Mobiltelefonhersteller zusammen mit Samsung und Apple – kurzzeitig belegte Huawei im vergangenen Jahr sogar den ersten Platz – angetrieben von der chinesischen Nachfrage und dem Verkauf in Schwellenländern.

Aber die unter dem damaligen Präsidenten Donald Trump verhängten US-Sanktionen, die das Unternehmen unter anderem von den globalen Lieferketten für Komponenten abschneiden, haben Huaweis Handy-Segment in Unsicherheit gestürzt.

Die Schwierigkeiten führten zu einer großen Umstrukturierung des Unternehmens, das 1987 von Ren Zhengfei, einem ehemaligen Ingenieur der Volksbefreiungsarmee, gegründet wurde. So konzentrierte sich Huawei wieder auf den chinesischen Kernmarkt. (mit AFP)