Bei BMW knattert und qualmt es noch. Zur Einstimmung lässt der bayerische Autobauer ein Uralt-Motorrad, einen Kabinenroller und eine Reihe historischer Autos durch die Halle rasen. Was das soll? Konzernchef Norbert Reithofer sagt: BMW sei schon immer in der Lage gewesen, entscheidende Impulse zu setzen.

Die Veranstaltung auf der IAA nennt sich Pressekonferenz. BMW hat dafür eine ganze Messehalle gemietet. Denn es ist in Wirklichkeit eine 30-minütige Multimedia-Show mit wummernden Bässen und kurzen Videoclips auf vielen Bildschirmen. Es geht darum, die Zuschauer zu überwältigen. Und es wirkt beinahe so, als wolle man böse Geister vertreiben.

Reithofer räumt nach der Show ein, dass er für den darbenden Automarkt in Europa für dieses Jahr keine Erholung mehr erwartet. Im August gingen die BMW-Neuzulassungen hierzulande um 3,3 Prozent im Vorjahresvergleich zurück. Angesichts solch negativer Nachrichten tun konservative Weisheiten gut: „Unsere Tradition ist das Fundament für die Zukunft“, sagt der BMW-Chef.

Elektro-Up feiert Premiere

Auch während der VW-Show geht es nicht nur um den Spaß am Fahren. Entwicklungschef Heinz-Jakob Neußer gibt sich wertkonservativ und spricht von Verlässlichkeit und vom Wort halten. Als Beweis wird sogar ein Redeausschnitt von Konzernchef Martin Winterkorn eingespielt, als dieser 2010 eine Offensive für neue Antriebskonzepte ankündigte. Am Dienstag feierte dann der rein elektrisch angetriebene Kleinwagen Up seine Premiere. Ob allerdings das Nischengeschäft mit E-Autos wirklich das Hauptaugenmerk des VW-Chefs in nächster Zeit sein wird, ist fraglich.

Winterkorn räumte in Frankfurt am Main ein, dass es auch für Volkswagen auf dem Alten Kontinent schwieriger wird, Autos zu verkaufen. In Westeuropa, ohne Deutschland, sei der Absatz der Marke VW im August um 6,8 Prozent geschrumpft. Verglichen mit 2007 ist nach Winterkorns Worten der Markt in Westeuropa um drei Millionen Autos geschrumpft. Das bedeute eigentlich, dass es in Europa zehn Autowerke zu viel gebe.

Dies ist als Hinweis auf anstehende harte Zeiten zu verstehen. Bleibt in naher Zukunft eine Besserung aus, dürfte die Schließung von Fabriken unerlässlich sein, wobei die großen deutschen Autobauer noch relativ gut dastehen: Florierende Geschäfte in Nordamerika und in Schwellenländern konnten bislang Rückgänge in Europa mehr als wettmachen. Aber inzwischen schwächeln auch Boomländer wie Brasilien, und im enorm wichtigen chinesischen Markt haben sich die Zuwachsraten abgeflacht.

Dennoch warnt Rupert Stadler, Chef der VW-Tochter Audi, vor Panikmache. Stadler will noch in diesem Jahr mit der Konzernspitze über den Bau eines weiteren Werks in Südamerika entscheiden.

Der Audi-Chef präsentiert auf der IAA in Frankfurt eine der wenigen wirklichen Novitäten: ein Konzeptauto, das an italienische Sportwagen der 70er-Jahre erinnert, zugleich aber mit größerer Bodenfreiheit ausgestattet ist, also eine Art geländegängiger Sportwagen sein soll – mit einem Zehn-Zylinder-Motor. Der Nanuk, das ist das Wort der Inuit für Eisbär, gehört in die Luxuskategorie, jenes Segment, das für Krisen bislang wenig anfällig ist.

Darauf setzt auch Daimler-Chef Dieter Zetsche, der während der Multimedia-Show seines Konzerns neue Varianten der Mercedes S-Klasse präsentiert, unter anderem ein besonderes sparsames Hybridmodell und besonders schnelles AMG-Modell. Viel Aufmerksamkeit bekommt zudem der GLA, ein schnittiger, kompakter Geländewagen, in den Zetsche große Hoffnungen setzt – bislang war Mercedes in dieser schnell wachsenden Fahrzeugkategorie nicht vertreten.

Am Ende der BMW-Präsentation wird Reithofer indes noch einmal beschwörend. „Die Zukunft gehört denen, die etwas wagen“, sagt er. Neben ihm steht der i8, ein Sportwagen mit Elektroantrieb und einem kleinen Verbrennungsmotor im Heck. Der i8 werde signifikante Marktanteile erobern. Und: BMW glaube an die Elektromobilität, beteuert Reithofer. Zuletzt gab es viele Rückschläge für die E-Autos. Hauptgrund ist der hohe Preis. Den i8 soll es im nächsten Jahr ab 126.000 Euro geben.