Köln - Der VW-Konzern zeigt auf der IAA in Frankfurt auch neue Autos mit Gasantrieb. Sie sind sparsam und schonen die Umwelt. Doch auf der Straße spielen die Fahrzeuge, die den leicht flüchtigen Kraftstoff verbrennen, kaum eine Rolle. Wir erläutern, warum es beim Gasantrieb hapert.

Was ist auf der IAA zu sehen?

Audi präsentiert mit dem A4 G-Tron Avant einen Erdgas-Kombi in der Premiumkategorie. Es hat 170 PS. Der CO2-Ausstoß liegt aber unter 100 Gramm pro Kilometer. Außerdem zeigt die Schwestermarke VW den Kleintransporter Caddy in der Allradvariante. Bei diesem Auto kosten 100 Kilometer etwa 4,50 Euro. Das entspricht bei einem Dieselauto unter Berücksichtigung der aktuellen Preise einem Verbrauch von weniger als vier Liter. Auf der Messe ist eine Reihe weiterer Fahrzeuge zu sehen, die unter anderem am Stand des Vereins Zukunft Erdgas präsentiert werden.

Wo liegen die Vorteile von Erdgas?

Da Erdgas ein besonders reiner Kraftstoff ist, ist der Schadstoffausstoß erheblich niedriger als bei Benzin oder Diesel. Beim Treibhausgas CO2 sind es 20 bis 25 Prozent weniger. Bei Kohlenmonoxid und Stickoxiden sind Emissionen sogar noch erheblich geringer. Erdgasautos könnten also dazu beitragen, dass vor allem in Städten die häufig hohe Schadstoffbelastung deutlich verringert werden könnte.

Wie teuer ist Erdgas?

Der Staat kassiert beim Erdgas eine deutlich reduzierte Energiesteuer. Das führt dazu, dass der Treibstoff gemessen an den Ausgaben pro 100 Kilometer etwa nur halb so teuer wie Benzin ist. Der Bundestag hat sich kürzlich dafür ausgesprochen, die Privilegierung des Erdgases, die 2018 auslaufen sollte, um acht weitere Jahre zu verlängern. Ein entsprechendes Gesetz will die Bundesregierung im Frühjahr 2016 vorlegen.   

Wie groß ist das Angebot an Erdgasautos insgesamt?

Aktuell sind nur 24 Erdgasmodelle auf dem hiesigen Markt zu haben. Und der Marktanteil ist verschwindend. Er lag bei den Neuzulassungen im vorigen Jahr unter 0,3 Prozent. Das entspricht in etwa dem Niveau der Autos mit reinrassigem Elektroantrieb. 

Warum kaufen die Autofahrer kaum Erdgasautos?

Zum einen spielen irrationale Ängste eine Rolle. Viele Menschen haben Angst davor, dass die Tanks mit dem komprimierten Methan explodieren könnten. Hinzu kommt die beschränkte Reichweite. Mit einem Gasauto kommt der Autofahrer ohne Tankstopp in der Regel nicht weiter als 500 Kilometer. Zudem ist das Tankstellennetz löchrig. Es gibt nur rund 1000 Stationen.

Was kann die Politik tun, um Erdgas als Kraftstoff weiter zu fördern?

Ein klareres Bekenntnis aus der Politik zu allen alternativen Kraftstoffen und eine frühzeitige Klärung der gesetzlichen Rahmenbedingungen sei nötig, sagt Mirco Hillmann, Sprecher von Gazprom-Germania. Sein Unternehmen ist in den Betrieb von Gastankstellen hierzulande eingestiegen. Ende des Jahres sollen es 44 Stationen sein. In der Branche ist immer wieder zu hören, dass die lange Zeit unklare Lage bei der Steuerbegünstigung von Erdgas, Käufer zurückgeschreckt hat. Das gilt insbesondere für Unternehmen, die Investitionen in die Fahrzeuge oft für acht bis zehn Jahre berechnen.

Wer muss noch mitspielen, um Erdgas zu fördern?

Hillmann und viele andere Akteure aus der Branche machen sich dafür stark, dass „die Transparenz an der Zapfsäule“ erhöht würde. Der Preis wird in der Regel in Kilogramm angegeben, das macht es extrem schwer, ihn mit den Literpreisen des konventionellen Sprits zu vergleichen. Deshalb macht sich der Gazprom-Sprecher dafür stark, dass umgerechnet wird und ein Äquivalenzpreis ausgewiesen wird, der die Ersparnis zu Benzin und Diesel deutlich macht. Für Hillmann ist überdies klar, dass die Tank-Infrastruktur weiter ausgebaut werden muss. Aber auch die Autobauer seien gefragt. Die Zahl von attraktiven und verfügbaren Fahrzeugen müsse deutlich erhöht werden. 

Welche Rolle spielen überhaupt die Autobauer?

Umweltschützer kritisieren immer wieder die Preispolitik der Autobauer. Der Umweltwissenschaftler Eckard Helmers legte gerade eine Studie im Auftrag von BUND und VCD vor, die nachweist, dass bei Modellen deutscher Hersteller zwischen 65000 und 150000 Kilometer gefahren werden müssen, um den Aufpreis für ein Gasauto gegenüber einem vergleichbaren Benziner über die Spritkosten wieder hereinzuholen. Volkswagen etwa habe zwar eine „vorbildlich große Auswahl an erdgasbetriebenen Fahrzeugen“. Die Amortisationszeiten seien aber so lang, dass lediglich Gewerbetreibende mit hohen jährlichen Kilometer-Leistungen die Angebote als wirtschaftlich attraktiv betrachten könnten. Generell kommt er zu dem Schluss, dass Erdgas zwar eine „sofort verfügbare Option zur CO2-Einsparung“ sei. Sie werde aber „von deutschen Herstellern kaum genutzt.“

Gibt es wenigstes bei gewerblichen Nutzern Chancen?

Die gibt es. Doch insbesondere Taxiunternehmen beschweren sich nach Angaben des BUND immer wieder über Lieferschwierigkeiten der Hersteller. Das deutet darauf hin, dass die Autobauer gar nicht darauf eingestellt sind, Erdgasautos in nennenswerten Stückzahlen zu fertigen.