Wie die politische, wirtschaftliche und gesellschaftliche Zukunft gestalten? Junge Menschen würden ihre Fachkenntnisse gerne noch stärker einbringen.
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BerlinEs kann auch ganz schnell gehen bei den Vereinten Nationen. Eigentlich ist die Weltorganisation für Völkerrechte oft ein Ort der Bedenkenträger und Taktiker, an dem Entscheidungen „sehr, sehr, sehr, sehr, sehr, sehr, sehr“ lange vorbereitet werden, wie ein Redner am Montag in Berlin sagte. Aber es geht auch anders.

100 Jugendliche hatten sich vor Beginn des Internet Governance Forums (IGF) getroffen, um Richtlinien für die digitale Welt der Zukunft zu formulieren. Herausgekommen sind elf netzpolitische Empfehlungen. Zack, schnell und konkret formuliert. So geht es auch. Die Jugend als Vorbild. Mehr dazu später.

IGF als Plattform für Politik und Digitalisierung

Denn die große Bühne gehörte am Dienstag der Kanzlerin, Angela Merkel (CDU). Sie eröffnete gemeinsam mit dem UN-Generalsekretär António Guterres die fünftägige Konferenz mit insgesamt mehr als 5000 Gästen. Das Internet Governance Forum gibt es seit 13 Jahren, es ist als Diskussionsplattform für die großen Themen der Digitalisierung entstanden – vor allem aus politischer Sicht.

Kanzlerin Merkel als Fotomotiv beim UN-Internetforum in Berlin.
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Merkel ging in ihrer Rede nicht konkret auf die aktuelle politische Diskussion um Huawei und 5G-Sicherheitstandards ein, sie beließ es bei der Botschaft, dass die Nationen weltweit vertrauensvoll zusammenarbeiten sollten. Ansonsten war Freiheit ihr großes Thema. Sie erinnerte an den Fall der Berliner Mauer und machte deutlich, was ihr wichtig ist: In den wilden digitalen Zeiten sollten die Menschen die großen Momente der analogen Geschichte nutzen, um daraus zu lernen.

Der Unterschied der Generationen

Merkel ist inzwischen 65 Jahre alt, sie gehört zu der Generation, die die meiste Zeit ohne Internet-Zugang verbracht hat. Und so wirkt sie immer auch ein wenig unsicher, wenn sie über die großen Herausforderungen der Zukunft spricht. Themen wie die Regulierung von Plattformen und den Umgang mit Künstlicher Intelligenz streift sie eher in Nebensätzen.

„Das Internet ist so entwickelt worden, dass es territoriale Grenzen überwinden hilft.

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) erinnerte beim Internet Government Forum in Berlin an die ursprüngliche Bedeutung der neuen Technologie und warnte vor Protektionismus.

Ganz anders klingt das bei der nachfolgenden Generation, die ein Leben ohne Smartphone, WiFi und soziale Netzwerke nicht kennt. Die Berlinerin Elisabeth Schauermann gehört mit ihren 27 Jahren zu dieser Gruppe der jungen Macher. Sie arbeitet bei der Gesellschaft für Informatik und war die Projektleiterin des Jugendtreffens beim Internet Governance Forum mit 100 Teilnehmern aus 35 Ländern.

Junge Leute geben die schlauen Antworten

An Merkels Rede gefiel ihr, dass die Kanzlerin nicht länger nur Politik und Wirtschaft als Entscheider in der digitalen Welt sieht, sondern auch die Zivilgesellschaft. Was ihr fehlte: ein Hinweis auf die Bedeutung der Jugend. Schließlich sei das die größte demografische Gruppe auf unserem Planeten, außerdem sei keine Generation so vertraut im Umgang mit dem Internet. „Wenn in Gesprächsrunden über Digitalisierung gesprochen wird, sind es die jungen Leute, die schlaue Antworten geben“, berichtete sie im Gespräch mit der Berliner Zeitung von ihren Erfahrungen. 

Als sie am Tag zuvor während einer Pressekonferenz die elf Forderungen der Jugend vorgestellt hatte, saß Tim Richter, der im Bundesvorstand der Deutschen Gesellschaft für die Vereinten Nationen aktiv ist, neben ihr. Er erinnerte an die „Fridays for Future“-Bewegung und die Klimaziele. Er wünschte sich eine ähnliche Bewegung für digitale Fragen. „Warum nicht ‚Mondays for Net‘?“, fragte er.

Auftrag für Geheimdienste

Was dann wichtig wäre? In dem Papier der Jugendlichen steht, dass die Geheimdienste auf Schwachstellen hinweisen müssten, um Cyberattacken zu vermeiden. Der Schutz für Kinder und die Garantie, dass maschinelle Entscheidungsprozesse von menschlichen Entscheidungen geleitet werden, waren weitere Aspekte. Dazu kommen: der Wunsch nach uneingeschränktem Internetzugang, Netzneutralität, Plattformtransparenz und natürlich die Beteiligung der Jugend an Entscheidungsprozessen.