Illegale Autorennen: Warum Rasern das Leben Unschuldiger egal ist

In Bremen flüchteten die beiden Unfallverursacher unerkannt. Augenzeugen gaben der Polizei jedoch zahlreiche Hinweise. Demnach musste die Frau mit ihrem Auto zwei Wagen ausweichen, die sich in der Nacht zum Sonntag ein illegales Wettrennen lieferten und ihr mit Tempo 90 oder schneller innerorts entgegen rasten. Die Frau fuhr dabei gegen einen Baum.

Auch in Salzgitter kam es in der Nacht zum Sonntag zu einem illegalen Autorennen. Die Polizei leitete dort gegen zwei junge Männer Verfahren ein, die sich mit weiteren Beteiligten ein nicht genehmigtes Rennen im normalen Straßenverkehr geliefert hatten. Die beiden Männer erwarten hohe Geldbußen und möglicherweise Fahrverbote.

Beifahrer müssen künftig zur MPU

Erst vor kurzem war in Köln ein Radfahrer Opfer eines solchen Rennens geworden. Der Wagen einer der Raser überschlug sich und traf den Radler mit voller Wucht, so dass er starb. Zuvor hatte es in diesem Jahr in Köln bereits zwei andere tödliche Unfälle gegeben, die vermutlich auf illegale Autorennen zurückzuführen sind.

Die Bezirksregierung Köln hat reagiert und verlangt, „dass Teilnehmer von illegalen Straßenrennen unbedingt auf ihre Fahrtauglichkeit überprüft werden sollten. Dies gilt für den Fahrer, aber auch für den Beifahrer“, heißt es auf der Seite der Behörde. Durch eine Teilnahme an illegalen Straßenrennen bestünden erhebliche Zweifel an der Fahreignung von Fahrer und Beifahrer. Deshalb sollten die Straßenverkehrsbehörden auch medizinisch-psychologische Gutachten anordnen.

Autorennen sind ein bundesweites Phänomen

Doch lassen sich Raser davon abschrecken? Was treibt die oft jungen Menschen an, ihr Leben und das von unschuldigen Verkehrsteilnehmern zu riskieren? Schon vor 14 Jahren kam der Sohn von Kölns Ex-OB Fritz Schramma bei einem illegalen Autorennen ums Leben. Die Millionenstadt am Rhein ist berüchtigt für ihre Raserszene - und für ihre brutalen Verkehrsschneisen mitten durch das historische Zentrum.

Doch „das Phänomen illegaler Autorennen gibt es bundesweit in vielen Städten“, hebt der TÜV Rheinland hervor. Manchmal würden dabei hohe Geldpreise ausgesetzt, sagt Karl-Friedrich Voss, Vorsitzender des Bundesverbandes Niedergelassener Verkehrspsychologen. „Eine andere Variante ist die, dass Menschen gegen die Uhr fahren.“

Das Auto dient der Selbstdarstellung

Die Beteiligten sind meist junge Männer zwischen 18 und 25 Jahren. „Leute, die ihr Selbstbewusstsein sehr stark mit dem Auto verknüpfen“, erläutert Voss. Häufig sähen sie im Beruf keine Perspektive und seien auch nicht in einer Familie verankert.

„Das Auto ist ja auch durchaus eine anerkannte Methode der Selbstdarstellung, gerade in Deutschland. Manche übertreiben das und fühlen sich in ihrem Selbstverständnis angegriffen, wenn andere schneller sein wollen.“ Solche Männer könne man nur ändern, wenn man ihre Probleme im Beruf oder im Privatleben löse, meint Voss.

Meist nutzen die Raser abgelegene Gewerbegebiete oder nächtliche Straßen für ihre Rennen, doch in letzter Zeit kommt es manchen gerade darauf an, viel Publikum zu haben. Sie verabreden sich auf Facebook und stellen anschließend Videos ins Internet.

Schlechte Vorbilder aus Hollywood

Roman Suthold vom ADAC ist davon überzeugt, dass hier Hollywoodfilme wie „Fast & Furious“ fatale Vorbilder liefern. Dazu kämen Computerspiele. „Generation Playstation“, sagt er nur. „Die spielen diese Autorennen virtuell, und denken dann, weil sie's am Computer beherrschen, könnten sie's auch in der Realität. Und diese Spiele geben auch städtische Rennen wieder - genau das, was in Köln abgelaufen ist.“

Fritz Schramma meint: „Dieser Kick, ein Auto als Waffe zu benutzen, das ist ja fast wie Russisches Roulette.“ Die Verantwortlichen für den Tod seines Sohnes kamen damals mit einer Bewährungsstrafe davon. „Vielleicht haben sie inzwischen selbst Familien und machen sich hin und wieder Gedanken“, sinniert der Ex-OB. Seine Frau und er haben einen Verein für Unfall- und Opferschutz gegründet. „Da arbeiten wir ein bisschen die Trauer ab. Aber als Angehöriger leiden Sie ein Leben lang darunter.“