Es ist ein ehrgeiziges Ziel, das sich die WHO gesetzt hat: Bis Mitte 2015 will sie die von Ebola betroffenen Regionen Westafrikas mit Impfstoffen für mehrere hunderttausend Menschen versorgen. Bis Ende des kommenden Jahres hofft die oberste Gesundheitsbehörde gar auf eine Million Impfstoffdosen.

Ende Oktober setzten sich deshalb Abgesandte der WHO erstmals mit Vertretern der Hersteller und der Zulassungsbehörden an einen Tisch. Auch Repräsentanten verschiedener Regierungen und Stiftungen waren dabei. Denn gewöhnlich dauert es Jahre, bis ein neuer Impfstoff auf den Markt kommt. Im Fall von Ebola kann und will jedoch kaum jemand so lange warten.

„Alle Beteiligten haben ihre Kräfte gebündelt, um schneller als sonst voranzukommen“, sagt Klaus Cichutek, der Präsident des Paul-Ehrlich-Instituts (PEI) in Langen, das hierzulande für die Zulassung neuer Impfstoffe zuständig ist. „Die Dringlichkeit der Lage in Westafrika gebietet es, dass wir rasch handeln.“

Bei Affen wirksam

Seit einigen Wochen werden zwei Impfstoffe, die Affen vor einer Ansteckung mit dem Ebola-Virus schützen konnten, an Menschen in Phase-I-Studien getestet. Anfang 2015 soll eine weitere Versuchsreihe mit einem dritten Impfstoff beginnen. In Studien der Phase I werden Impfstoffe zunächst an wenigen gesunden Freiwilligen erprobt. Auf diese Weise will man herausfinden, ob grobe Unverträglichkeiten zu beobachten sind, und erste Hinweise erhalten, ob und wenn ja in welcher Dosis die Vakzinen eine Immunantwort erzeugen.

Die beiden Impfstoffe, auf denen derzeit die größten Hoffnungen ruhen, funktionieren nach dem gleichen Prinzip: Sie enthalten abgeschwächte Trägerviren, in deren Erbgut ein nicht-infektiöses Stück DNA des Ebola-Erregers eingebaut ist. So ist eine Ansteckung aufgrund der Impfung ausgeschlossen.

Bekommt ein Proband die veränderten Viren in den Muskel gespritzt, soll sein Immunsystem Antikörper gegen den Ebola-Erreger bilden. „Bei Affen haben beide Impfstoffe sehr gute Ergebnisse erzielt, weshalb ich sie auch beim Menschen für recht aussichtsreich halte“, sagt Stephan Günther vom Hamburger Bernhard-Nocht-Institut für Tropenmedizin.

Der eine Impfstoff (rVSV-ZEBOV), der auch an 30 Freiwilligen am Uniklinikum Hamburg-Eppendorf erprobt werden soll, ist ursprünglich von der kanadischen Public Health Agency entwickelt und später an die US-Firma Newlink Genetics lizenziert worden. Trägervirus ist ein abgeschwächtes Vesikuläres Stomatitis-Virus (VSV), dessen Wildtyp bei Huftieren eine Art Maul- und Klauenseuche auslöst. Bei Tests an Primaten erwies sich die Vakzine als sicher und hocheffizient. In Hamburg wurde der Impfstoff im Jahr 2009 nach einem Laborunfall sogar schon einmal einem Menschen verabreicht. Eine Mitarbeiterin des Bernhard-Nocht-Instituts hatte sich durch drei Paar Sicherheitshandschuhe mit einer leeren Spritze gestochen, in der sie zuvor Proben des Ebola-Erregers aufgezogen hatte. Später stellten ihre Ärzte allerdings fest, dass sie sich nicht infiziert hatte.

Im vergangenen Jahr lagerte die kanadische Regierung 1500 Ampullen des Impfstoffs ein. 800 davon hat sie inzwischen der WHO gespendet. Derzeit laufen erste Tests in den USA und in Gabun, weitere in Deutschland, in der Schweiz und in Kenia sollen folgen. An der Studie in Gabun mit 60 Probanden sind unter anderem Ärzte des Uniklinikums Tübingen beteiligt. Die Blutproben aus Hamburg werden Virologen der Universität Marburg untersuchen.

Der zweite Impfstoff (cAd3-ZEBOV), den das britische Pharmaunternehmen GlaxoSmithKline (GSK) zusammen mit den National Institutes of Health der USA entwickelt hat, enthält abgeschwächte Adenoviren, die bei Schimpansen Erkältungen hervorrufen. Kleinere Tests mit dieser Vakzine wurden im September in Großbritannien, den USA, Mali und Gambia gestartet.

Vergangene Woche gab die Schweizer Zulassungsbehörde Swissmedic zudem grünes Licht für eine größere klinische Prüfung am Universitätsspital Lausanne. Die 120 Teilnehmer sind dabei in zwei Gruppen eingeteilt: Die eine Gruppe bleibt in der Schweiz, die andere, die aus freiwilligen Helfern besteht, reist nach Westafrika.