Infektionskrankheit: Neue Therapie gegen Hepatitis B

Philadelphia - Wissenschaftler haben eine neue Therapie gegen die von Viren ausgelöste Leberentzündung Hepatitis B entwickelt. Mithilfe von kurzen Stücken des Zellbestandteils Ribonukleinsäure (RNA) sei es ihnen gelungen, die Vermehrung des Hepatitis-B-Virus zu stoppen, berichten die Wissenschaftler im Fachmagazin „Gastroenterology“. Die neue Behandlungsmethode habe noch einen weiteren entscheidenden Vorteil: Sie stimuliere gleichzeitig das Immunsystem der Patienten. Dieses könne dadurch wieder effizienter gegen das Virus vorgehen, schreiben die Forscher.

„Wir haben mit diesem Ansatz erstmals die Perspektive, das Hepatitis-B-Virus auch bei einer chronisch gewordenen Infektion wieder vollständig aus dem Körper zu entfernen“, sagt Studienleiterin Ulrike Protzer vom Helmholtz Zentrum München und von der Technischen Universität München. Bisher könne eine chronische Hepatitis-B-Erkrankung durch verschiedene gängige Medikamente zwar unter Kontrolle gebracht werden. Eine echte Heilung sei mit den bisherigen Wirkstoffen aber nicht möglich.

Chronische Hepatitis B weit verbreitet

Hepatitis B ist eine Infektionskrankheit, die vom sogenannten Hepatitis-B-Virus (HBV) ausgelöst wird. Mit circa 350 Millionen chronischen Fällen weltweit sei sie eine der wichtigsten Viruserkrankungen des Menschen überhaupt und könne als Volkskrankheit bezeichnet werden, betonen die Forscher. Im Extremfall kann die chronische Leberentzündung zu Leberzirrhose oder Leberkrebs führen.

Der Entwicklung einer effektiven Behandlungsmethode gegen die chronische Hepatitis B komme deshalb große Bedeutung zu. In ihrer neuen Studie setzten die Forscher nun beim Kampf gegen die Krankheit kurze RNA-Fragmente, sogenannte siRNAS, ein. Diese verhinderten normalerweise die Bildung von Virusproteinen und schränken dadurch die Virusvermehrung deutlich ein.

Die RNA ähnelt vom Aufbau her der DNA. RNA-Moleküle sind unter anderem an der Übersetzung der genetischen Informationen in Proteine beteiligt, sie wirken aber auch an der „Abschaltung“ von Genen mit.

Bei der Entwicklung der neuen Therapiemöglichkeit seien die siRNAs gezielt modifiziert worden, um auch eine immunstimulierende Wirkung zu erzielen. Die Ergebnisse hätten gezeigt, dass die neuen Designer-RNA-Stücke tatsächlich beide Funktionen erfüllten, sagen die Forscher. Sie bekämpften nicht nur den Virus, sondern regten auch das körpereigene Immunsystem deutlich an. Die neue Therapie-Option verbessere deshalb die Aussicht, künftig auch chronische Hepatitis-B-Infektionen heilen zu können, hoffen die Wissenschaftler. (dapd)