Initiationsriten: Aufnahme in die Welt der Männer

Die Völkerkundler haben eine Fülle von Initiationsriten quer über den Erdball zusammengetragen. Damit wurde und wird in alten Kulturen der Übergang von der Kindheit zum Erwachsenen mit verschiedenen Prozeduren markiert. Junge Männer werden dabei häufig extrem schmerzhaften Prozeduren unterworfen.

Den Begriff dafür – rites de passage – prägte der französische Ethnologe Arnold van Gennep (1873-1957). Diese Übergangsriten sind mit einer Abtrennung von der mütterlichen Gesellschaft verbunden. Der zum Mann werdende Jugendliche erhält Prüfungen auferlegt, wird in besondere Glaubensgeheimnisse eingeweiht und muss körperliche Schmerzen ertragen. Durch diese Wunden und später Narben am Körper wird die Aufnahme in die Welt der Erwachsenen besiegelt.

Zu den typischen Riten gehören das Ausschlagen oder Feilen der Zähne, Tätowierungen, tiefe Ritzungen mit Stein- oder Bambusmessern (Skarifizieren), Brandwunden zufügen, die Beschneidung (Zirkumzision) bis hin zum Aufschneiden der Harnröhre (Subinzision).

Für den Begründer der Psychoanalyse, Sigmund Freud, war die Beschneidung ein symbolischer Ersatz für die Kastration, die der machtvolle Vater über die Söhne verhängt – die Durchsetzung des Tabus von Inzest und Vatermord. Spätere Analytiker wie Bruno Bettelheim sahen in den Riten auch einen Gebärneid der Väter, die ihn durch blutige Neuinszenierung der Geburt kompensieren.

Bis heute wird diskutiert, ob moderne Jugendkulturen an einem Mangel von Initiationsriten leiden und sie deshalb neu erfinden. Als Beispiele gelten gemeinsames Komasaufen oder Prügeleien mit Polizisten oder rivalisierenden Gruppen.

Bekämpfung der Onanie

Die modernen Formen der Beschneidung hatten zunächst die Bekämpfung der Selbstbefriedigung bei pubertierenden Jungen zum Ziel. Der Schweizer Arzt Samuel Tissot (1728-1797) behauptete, dass Onanie Ursache zahlreicher Krankheiten sei und propagierte deshalb die Zirkumzision.

Während sich der blutige Eingriff in Europa wenig durchsetzte, wurden die Knaben der britischen Oberklasse im viktorianischen Zeitalter häufig Opfer der Chirurgen. In einem Artikel in der britischen Medizinzeitschrift Lancet von 1860 heißt es: „Die Operation sollte nicht unter Betäubung mit Chloroform vorgenommen werden. Der erlittene Schmerz kann so mit der Angewohnheit, die wir ausrotten möchten, in Verbindung gebracht werden.“ Neben dem britischen Empire verbreitete sich die Zirkumzision extrem in den USA, wo bis zu 90 Prozent der Jungen bechnitten wurden.