Was bietet Netflix eigentlich an?

Netflix ist eigentlich nichts anderes als ein Online-Videothek für Filme und Serien. Der Zuschauer abonniert diesen Dienst gegen eine monatliche Gebühr und kann dann unbegrenzt viele Streifen anschauen. Mit dem Streaming-Verfahren: Daten werden direkt aus dem Internet geladen und nicht auf dem Computer oder dem Smart-TV gespeichert. Das Unternehmen aus Kalifornien produziert auch eigene Filme. Am bekanntesten ist die Serie „House of Cards“ mit Kevin Spacey in der Hauptrolle. Sie kam nicht nur bei den Zuschauern gut an, sondern heimste auch viele Preise ein. Derzeit feiert vor allem in den USA die Frauen-Gefängnis-Serie „Orange is the New Black“ große Erfolge. 

Was zeigen die aktuellen Zahlen?

Das Unternehmen ist auf dem heimischen US-Markt  groß geworden. Dort gibt es jetzt 42 Millionen Abonnenten. In allen anderen Ländern sind es insgesamt nur 23,2 Millionen. Doch  das Wachstum findet international statt. Denn hier hat es binnen Jahresfrist ein Plus von rund zehn Millionen gegeben. Möglich war dies, weil das Management enorm viel Geld ins Marketing gesteckt hat. Deshalb schreibt Netflix mit seinen Aktivitäten außerhalb der USA auch hohe Verluste. Das hält Unternehmenschef  Reed Hastings aber nicht davon ab, die Expansion fortzuführen. Im Laufe des Jahres sollen so wichtige Länder die Japan, Spanien und Italien hinzu kommen. Ende 2016 will Netflix in 150 Ländern aktiv sein, auch in China, dem bevölkerungsreichsten Land der Welt.

Wie sieht es in Deutschland aus?

Netflix nennt für sein Deutschlandgeschäft, das im September 2014 startete, keinerlei Zahlen. Der Branchendienst Digital TV Research geht davon aus, dass es in Deutschland zum Jahresende 1,2 Millionen Abonnenten sein werden. Der wichtigste europäische Markt ist mit großem Abstand Großbritannien. Die Marktforscher erwarten hier knapp fünf Millionen Nutzer im Dezember. Dass Netflix hierzulande im TV-Geschäft bislang nur eine untergeordnete Rolle spielt, hat einerseits mit dem großen Angebot an frei empfangbarem Fernsehen zu tun. Aber es ist typisch auch für den Streamingdienst, dass er erst einmal langsam startet, nach einer gewissen Zeit beginnt er aber, massiv zuzulegen.  So war es beispielsweise auch in Brasilien, das inzwischen mit 3,3 Millionen Nutzern die Nummer drei im internationalen Geschäft ist.    

Verdient Netflix Geld mit seinen Diensten?

Netflix verdient zwar Geld. Der Profit ist im zweiten Quartal aber massiv gesunken, und zwar um zwei Drittel auf 26,3 Millionen Dollar. Zu den Kosten für die internationale Expansion kommen Ausgaben für neue Film-Lizenzen und Eigenproduktionen. Auch hier will das Management in der Zukunft jede Menge locker machen. Im nächsten Jahr sollen für den Ankauf von Filmen und für eigene Produktionen rund fünf Milliarden Dollar ausgegeben werden.

Was treibt das Management an?

Die Konkurrenz ist groß. In den USA ist es vor allem der Bezahlsender HBO. Doch inzwischen sind überall Online-Videotheken am Start. Deshalb geht es wie immer bei international agierenden Internetfirmen darum, sich erst einmal möglichst große Marktanteile zu sichern, das Geldverdienen ist zweitrangig. Konkurrenten versuchen, die Erfolgsstory von Netflix nachzuahmen. Deshalb ist eine enorme Dynamik und eine permanente Weiterentwicklung des Geschäftsmodells gefragt. So wird im Oktober mit „Beasts of No Nation”  der erste selbstproduzierte Film präsentiert, der gleichzeitig im Kino und auf der Internetplattform von Netflix starten wird. Das Gleiche soll im Dezember mit „The Ridiculous Six” von dem renommierten Regisseur Adam Sandler geschehen.

Was ist der Grund für den Erfolg der Eigenproduktionen?

Netflix ist nicht nur eine Internet-TV-Firma, sondern auch ein Datenanalyse-Unternehmen.  Geliefert werden die Daten von den Nutzern. Ihr Sehverhalten wird genau analysiert. Dabei geht es nicht nur darum, welche Filme und Serien abgerufen werden. Auch das Suchverhalten in der Videothek wird genau auseinander genommen. Netflix weiß auch, an welchen Stellen der Zuschauer beim Anschauen eines Filmes aussteigt oder wann er das Streaming unterbricht.  Daraus lassen sich einerseits sehr präzise Empfehlungslisten erstellen, die der Nutzer gezeigt bekommt, wenn er Netzflix aufruft. Und je häufiger er schaut, umso besser werden die Empfehlungen. Das bindet den Nutzer immer enger an das Streaming-Portal – übrigens nutzt Apple exakt das gleiche Prinzip für seinen neuen Musikstreamingdienst. Die Auswertung der Daten hat daneben den Vorteil, dass es damit möglich wird, die Vorlieben von Millionen von Nutzern zu erfahren. Daraus lässt sich pronostizieren, was erfolgreich sein wird. Dies hilft enorm bei der Auswahl der Drehbücher für eigene Produktionen. So war schon vor dem Start von „House of Cards“ mit hoher Wahrscheinlichkeit klar, dass die Serie ein großer Erfolg wird.