In medizinischen Einrichtungen, wie hier in Tel Aviv, kommt Computertechnik immer häufiger zum Einsatz. Davon profitieren auch Cyberkriminelle. 
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LyonCyberkriminelle haben nach Angaben von Interpol während der Coronavirus-Pandemie vermehrt auch große Unternehmen und wichtige Infrastrukturen ins Visier genommen. Mehrere Mitgliedsstaaten hätten Angriffe mit schädlicher Software auf Regierungs- und medizinische Einrichtungen wie Krankenhäuser gemeldet, teilte die internationale Polizeiorganisation mit. 

Die Geschwindigkeit, mit der die Attacken zunähmen, sei alarmierend, sagte Interpol-Generalsekretär Jürgen Stock. Die wachsende Abhängigkeit vom Internet biete den Kriminellen neue Möglichkeiten, da die Online-Sicherheitsvorkehrungen vieler Unternehmen und Nutzer nicht auf dem neusten Stand seien, so Stock.

Eine Umfrage unter Mitgliedsstaaten habe ergeben, dass die Kriminellen Schadsoftware auch vermehrt zum Diebstahl von Daten einsetzten, teilte Interpol mit. Die Informationen der Umfrage stammten demnach zum Teil auch von Unternehmen des privaten Sektors. Im Zeitraum von Februar bis März 2020 stieg Interpol zufolge die Zahl der gefährlichen Webadressen, die die Stichwörter „Coronavirus“ oder „Covid“ beinhalteten, um 569 Prozent an. Über die betrügerischen Domains könne beispielsweise Phishing betrieben oder schädliche Software bereitgestellt werden, erklärte die Organisation.

Interpol warnte, dass die Internetkriminalität in naher Zukunft weiter zunehmen werde. Dies liege auch an der derzeitigen Situation mit vielen Angestellten im Homeoffice. Auch die Verbreitung von Falschnachrichten über das Virus verbunden mit schädlicher Software sei ein zunehmendes Problem.

Interpol sitzt im französischen Lyon und ist mit 194 Mitgliedsländern die wichtigste Polizeiorganisation der Welt. Über Interpol tauschen Staaten Informationen zu gesuchten Personen aus und melden Entwicklungen im Bereich der organisierten Kriminalität.