Berlin - Es ist ziemlich genau sechs Jahre her, da musste Michael Cassau für wenige Monate von London nach Berlin umziehen. Aber für einen definierten Zeitraum Möbel anschaffen? Das hielt er für keine gute Idee. Oder, wie der ehemalige Investmentbanker von Goldman Sachs in einem Interview mit der Berliner Zeitung im vergangenen Jahr sagte: „Ich hielt das für eine ziemlich ineffiziente Nutzung meines Kapitals.“

Die Sache brachte ihn zum Nachdenken über Teilhabe und Besitz. So entstand das Start-up Grover, das gerade für Furore sorgt. Grover ist nicht nur zu Europas Marktführer im Bereich Miet-Commerce für Unterhaltungselektronik aufgestiegen. Das Start-up hat in einer Finanzierungsrunde auch gerade 45 Millionen Euro eingesammelt.

Teilhabe und Besitz – bei Grover geht es um das Mieten elektronischer Geräte. Wer also ein Smartphone haben möchte, einen Laptop braucht oder auf eine Spielkonsole nicht verzichten will, der muss die Geräte nicht für viel Geld kaufen, sondern kann sie über die Plattform mieten. Handys werden beispielsweise in der Regel nach zwei bis drei Jahren ausgetauscht, lohnt sich da tatsächlich die Anschaffung? Im vergangenen Jahr haben sich viele Menschen offensichtlich gegen einen Kauf und für das Mieten entschieden, denn Grover meldete für das Pandemie-Jahr 2020 eine Rekordnachfrage und erlebte einen Umsatz von 37 Millionen Euro.

Mit dem Geld aus der aktuellen Finanzierungsrunde (dazu kommt noch ein Kredit in Höhe von 15 Millionen Euro, den der britische Kreditgeber Kreos Capital gewährt) soll in erster Linie das Unternehmenswachstum vorangetrieben werden, um so mehr Menschen einen flexiblen, nachhaltigen und bezahlbaren Zugang zu Technik-Produkten zu ermöglichen. Es geht dabei um die Kernmärkte Deutschland, Österreich und Niederlande sowie die Expansion in neue Märkte, darunter Spanien und die USA.

Die Zahl der laufenden Mietverträge mit Privat- und Geschäftskunden soll bis Ende 2021 auf 450.000 verdreifacht werden, heißt es in einer Pressemitteilung. Ziel sei es, den Wandel der Unterhaltungselektronik-Branche hin zu einem kreislauforientierten Wirtschaftsmodell voranzutreiben. Geschäftsführer Cassau kündigte schon einmal an, wohin die Reise gehen soll: Er spricht von enormem Wachstumspotenzial und erklärte wörtlich: „Wir stehen erst am Anfang.“