"Behörden und Verwaltungen sind in Sachen IT bei weitem nicht so rückständig wie es öffentlich gerne behauptet wird", sagt Sabine Smentek
Foto:  Berliner Zeitung/Paulus Ponizak

BerlinDie Digitalisierung der Berliner Verwaltung ist für den Senat eine der großen Herausforderungen. 70.000 Arbeitsplätze sind betroffen, für sie muss eine möglichst moderne, gleichzeitig aber auch möglichst sichere IT-Infrastruktur aufgebaut werden. Der Hackerangriff aufs Kammergericht zeigt, wie schwer es Verwaltungen fällt, ihre Systeme zu sichern. Und die langwierigen Diskussionen über die Einführung der sogenannten E-Akte zeigen, wie schwer die Modernisierung der Verwaltungen generell ist. Zuständig für die IT der Berliner Verwaltung ist Staatssekretärin Sabine Smentek. Ein Gespräch über Modernität, Berliner Verwaltungen und Angebote von Mediamarkt.

Frau Smentek, hätte das landeseigene IT-Dienstleistungszentrum das Kammergericht vor solch einem Angriff schützen können?

Das wäre reine Spekulation.

Ist das ITDZ am Neuaufbau der IT-Infrastruktur beteiligt?

Die IT der Gerichte ist autonom. Aber das ITDZ steht allen Behörden mit fachlichem Know-how und technischer Unterstützung zur Verfügung, wenn es gefragt ist. Die IT-Expertinnen und Experten des ITDZ haben seinerzeit auch sofort bei der Identifizierung und Eingrenzung des Angriff geholfen.

Wie modern ist eigentlich die Infrastruktur der Berliner Verwaltung?

Behörden und Verwaltungen sind in Sachen IT bei weitem nicht so rückständig wie es öffentlich gerne behauptet wird. Sicher kann man aus Kosten- und Effizienzgründen nicht immer sofort die neueste Ausstattung haben, aber wenn wir Neuanschaffungen vornehmen, dann sind die auf dem aktuellsten Stand der Technik und Sicherheit. Nehmen wir mobiles Arbeiten und Home-Office als Beispiel. Das war vor zehn Jahren noch die allergrößte Ausnahme. Die Entwicklung macht es möglich, dass heute viel mehr Beschäftigte diese Möglichkeiten nutzen können. Aber richtig ist, wir haben noch viel zu tun.

Wie modern kann sich eine Verwaltung eigentlich aufstellen, da doch von einer Ausschreibung neuer Technik bis zur Installation Jahre vergehen? Und das bei Innovationszyklen bei teilweise nur wenige Monaten

Es dauert in der Tat länger, als wenn man sich als Privatperson etwas einem Mediamarkt aussucht. Aber auch in Unternehmen, die ähnlich groß sind wie Verwaltungen, verändert man die IT nicht über Nacht. Und man muss immer beachten: Wir arbeiten mit Steuergeld, müssen also verantwortungsvoll wirtschaften. Ganz klar: IT muss modern, sicher und leistungsstark sein. Aber ein PC oder Bildschirm, der ein oder zwei Jahre alt ist, ist immer noch vollkommen in Ordnung. Wir müssen da auch nachhaltig denken.

Zur Person

Sabine Smentek, 59, hat Erfahrung in der Verwaltung und der freien Wirtschaft. Die Betriebswirtin arbeitete bei mehreren Senatsverwaltungen und der Treuhandanstalt, ehe sie 1993 Unternehmensberaterin wurde, 1995 machte sie sich selbstständig. 2014 kehrte sie als Bildungsstadträtin von Mitte in die öffentliche Verwaltung zurück. Seit Dezember 2016 ist sie Staatssekretärin für Informations- und Kommunikationstechnik in der Innenverwaltung.

Hardware ist das eine. Aber wie sieht es bei der Software aus? Verfügt Ihr Haus überhaupt über Methodiker, die sich in modernen Entwicklungssprachen auskennen?

Unsere Aufgaben hier liegen vorrangig in der strategischen und konzeptionellen Steuerung der Informationstechnik. Deswegen arbeiten bei uns in der IKT-Steuerung keine speziellen Software-Entwickler. Gleichwohl sind hier natürlich auch Informatiker beschäftigt, die Programmiersprachen beherrschen.

Was wird bei der Ausschreibung für die E-Akte gesucht? Standard-Softwareanbieter oder Individual-Softwareanbieter?

Gegenstand der Ausschreibung ist die Beschaffung von Lizenzen für eine E-Akten Standardsoftware. Damit verbunden sind Unterstützungs- und Dienstleistungen bei der Erstellung notwendiger Konzeptionen und Dokumentationen, Dienstleistungen zur Unterstützung bei der Einführung der digitalen Akte in den Behörden und zur Migration vorhandener elektronischer Aktenbestände. Außerdem werden produktbezogene Schulungsdienstleistungen für verschiedene Anwendergruppen der Berliner Verwaltung sowie Support- und Systemserviceleistungen für das Gesamtsystem einschließlich der kontinuierlichen Wartung sowie der fachlichen und technischen Weiterentwicklung verlangt. Das ist wesentlich mehr als eine reine Software-Beschaffung.

Wer sichert die Qualität?

Für die Durchführung von Projekten gilt das in Berlin etablierte und bewährte Projektmanagementhandbuch. Darin sind klar die zu besetzenden Rollen in einem Projekt geregelt, zu dem neben der Rolle des Projektmanagers unter anderem auch die Rolle des Qualitätssicherungs-Managers definiert ist. Der Qualitätssicherungs-Manager ist für die Absicherung der vereinbarten Ergebnisqualität und der Steuerung der erforderlichen Prozessqualität verantwortlich und ist im Projekt adäquat besetzt.

Wer hat die IT-Standards festgelegt?

Die IT-Standards der Berliner Verwaltung werden durch mich in enger Zusammenarbeit mit meinem Fachbereich und den Fachverwaltungen festgelegt. Diese Aufgabe leitet sich aus dem Berliner E-Government-Gesetz ab. Die konkreten Anforderungen an die digitale Akte wurden – unter Berücksichtigung geltender IKT-Architekturvorgaben des Landes Berlin – mit externer Unterstützung und unter Einbeziehung der Verwaltung und dem IT-Dienstleiter erhoben.

Das Gespräch führte Elmar Schütze.