Das Foto stammt aus dem Jahr 2016, damals träumte John McAfee noch davon, einmal US-Präsident zu werden. 
Foto: AFP/Fred Dufour

BerlinJohn McAfee hatte früh ein Gespür für die großen Themen der Digitalisierung. Die „New York Times“ bezeichnete ihn schon als eine Legende aus dem Silicon Valley. Doch seine erfolgreiche Zeit ist lange vorbei.

Jetzt droht dem Software-Entwickler wegen Vorwürfen der Steuerhinterziehung und unlauterer Werbung für Kryptowährungen eine jahrelange Haftstrafe in den USA. Sowohl die Börsenaufsicht SEC als auch das Justizministerium teilten Anfang der Woche in Washington mit, Anklage erhoben zu haben. Der 75-Jährige sei in Spanien verhaftet worden und solle in die USA ausgeliefert werden, hieß es.

Nach Informationen aus dem spanischen Innenministerium in Madrid war McAfee am Sonnabend auf dem internationalen Flughafen Barcelonas aufgrund eines US-Haftbefehls verhaftet worden und sitzt seither in Untersuchungshaft. Spanische Medienberichte, McAfee habe nach Istanbul reisen wollen, bestätigte ein Ministeriumssprecher nicht.

Das US-Justizministerium will McAfee wegen Steuerhinterziehung und vorsätzlicher Unterlassung von Steuererklärungen strafrechtlich belangen. Die SEC wirft dem Pionier der Antiviren-Software unter anderem vor, bestimmte digitale Währungen empfohlen zu haben, ohne offenzulegen, dass er dafür Millionen von den Initiatoren erhielt. In diesem Zusammenhang sei auch McAfees Leibwächter angeklagt worden.

Eine Stellungnahme McAfees lag zunächst nicht vor. Die Anklage wegen Steuervergehen datiert bereits aus dem Juni, wurde jedoch erst jetzt veröffentlicht. McAfee hatte in den 1980er-Jahren das nach ihm benannte, auf Antiviren-Software spezialisierte Unternehmen McAfee gegründet, aus dem er sich in den 90er-Jahren zurückzog.

Im Jahr 2012 machte McAfee weltweit Schlagzeilen, als nach dem Mord an seinem Nachbarn in Belize nach ihm gefahndet wurde. Nach einer abenteuerlichen Flucht durch den Dschungel tauchte er später in Guatemala-Stadt wieder auf und fiel dann jahrelang nicht weiter auf.

Das änderte sich, als er in die USA zurückkehrte und sich zwischenzeitlich auch als Kandidat für die Präsidentenwahl 2016 registrieren ließ.

Dann aber beschloss er doch, die USA zu verlassen. Das berichtete die Nachrichtenagentur Reuters, als McAfee in Großbritannien angekommen war. Zuvor war er allerdings mit seiner Frau festgenommen worden, weil er mit Schusswaffen auf seiner Jacht in die Dominikanische Republik eingereist war. Das Büro des Generalstaatsanwalts des karibischen Landes soll ihn gefragt haben, wohin er gehen wolle, schrieb die „New York Times“. „Er entschied sich für London“, sagte Candido Simon, sein Anwalt, der ihn in der Dominikanischen Republik vertreten hatte. 

Jetzt also die Festnahme in Spanien. McAfee konnte in den vergangenen Jahren nirgendwo heimisch werden. Bei Twitter ist zu lesen, da er sich dort aufhält, wo er gerade ist. Ein Freigeist also – kein Wunder, dass er in diesem Jahr erneut US-Präsident werden wollte. Seine Kampagne hatte er allerdings bereits im März beendet.