Die Jugend wird politischer, das war am Wochenende auch bei den Protesten gegen Rassismus und Diskriminierung in Berlin zu sehen.
Foto: Imago/Jan Hübner

BerlinWas die „Fridays for Future“-Bewegung schon deutlich gemacht hat, ist jetzt auch in einer Studie bestätigt worden: Die Jugend beginnt wieder, sich stark für politische Themen zu interessieren. Das ist das Ergebnis einer Umfrage im Auftrag der Vodafone-Stiftung. Dabei setzen die jungen Menschen verstärkt auf ihre Netzkompetenz.

Bürgerentscheide im Netz, Online-Wahlen und wählen schon ab 16 – solche politischen Beteiligungsmöglichkeiten wünschen sich die Jugendlichen und junge Erwachsene konkret. Was die Umfrage noch ergab: 85 Prozent der 14- bis 24-Jährigen finden Online-Bürgerbeteiligung wichtig oder sehr wichtig, 77 Prozent sprechen sich konkret für Online-Bürgerentscheide und 66 Prozent für Online-Wahlen aus, 57 Prozent sind für ein bundesweites Wahlrecht ab 16 Jahren.

Politisch äußern sich junge Menschen offensichtlich am liebsten eher im privaten Bereich: 54 Prozent sagten, sie nutzten am häufigsten Messenger-Dienste wie WhatsApp oder Telegram für politische Diskussionen. Dahinter folgen Facebook und Instagram (jeweils 31 Prozent), Kommentarfunktionen von Nachrichtenseiten (26), YouTube (21) und Online-Foren (12). Twitter (10) und Snapchat (7) hingegen spielen bei Jugendlichen und jungen Erwachsene kaum eine Rolle, um sich politisch zu äußern.

Den Willen, politisch etwas zu bewegen, setzen junge Menschen dabei auf vielfältige Weise und häufig außerhalb formaler Verfahren um. So hat gut ein Viertel (28 Prozent) der jungen Menschen in den zwölf  Monaten vor der Umfrage an einer Online-Unterschriftenaktion teilgenommen und jeder Achte (13 Prozent) war auf einer Demonstration wie den „Fridays for Future“-Protesten. Mit den bestehenden politischen Beteiligungsmöglichkeiten sind die Befragten zwar grundsätzlich zufrieden, sie sprechen sich aber für den Ausbau von digitalen Formaten, wie etwa bundesweiten Online-Bürgerentscheiden (77 Prozent), der Möglichkeit online zu wählen (66 Prozent) oder an Wahl- und Parteiprogrammen mitarbeiten zu können (66 Prozent), aus. Darüber hinaus fühlen sich junge Menschen von der Politik nicht ernst genommen: Fast drei Viertel (73 Prozent) von ihnen geben an, unzufrieden oder sogar sehr unzufrieden damit zu sein, wie die Politik Anliegen und Interessen junger Menschen berücksichtigt. Das sind die Ergebnisse einer Befragung 14- bis 24-Jähriger über das Informationsverhalten zu politischen Themen im Auftrag der Vodafone-Stiftung.

„Junge Menschen wollen Politik beeinflussen – das ist eine gute Nachricht“, so Inger Paus, Vorsitzende der Geschäftsführung der Vodafone-Stiftung. „Gleichzeitig gelingt es uns bisher nicht, ihre digitale Lebenswirklichkeit in konkrete politische Beteiligungsmöglichkeiten zu übersetzen“, sagte sie.

Und Paus ging noch weiter: Sie kritisierte, dass die jungen Menschen mit Phänomenen wie Desinformation und Hassrede alleine gelassen würden. „Beides führt bei jungen Menschen zu Frustration und Unzufriedenheit mit der Politik“, sagte Paus.